Marktkommentar von Dr. Eduard Baitinger

 

Trotz leichter Entspannung hält übergeordneter Negativtrend an

Zeitnaher Turnaround ist unwahrscheinlich

Starker US-Dollar gefährdet Aktienmärkte

Trotz der leichten Entspannung an den Aktienmärkten bleibt das übergeordnete Investmentumfeld fragil und riskant. In China drohen neue Corona-Lockdowns, in Europa wird eine Energiekrise immer wahrscheinlicher, die Kaufkraft leidet unter der Inflation und die globale monetäre Straffung kommt zunehmend in den „harten“ Makrodaten an.

Die globalen Aktienmärkte befinden sich in einem übergeordneten Negativtrend mit einer nahezu bilderbuchmäßigen Trenderosion: Positive Gegenbewegungen können die vorherigen Verluste nicht ausgleichen. Im bisherigen Jahresverlauf gab es an den Märkten systematisch tiefere Tiefs und tiefere Zwischenhochs. Bei solchen Trendmustern sind weitere Verluste wahrscheinlicher als eine nachhaltige Stabilisierung oder Gegenbewegung.

Wann ein nachhaltiger Turnaround einsetzt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

Im optimistischen, aber eher unwahrscheinlichen Szenario schaffen es die Notenbanken, die Inflation nachhaltig zu bremsen und gleichzeitig ein „Soft Landing“ der globalen Wirtschaft zu gewährleisten. Die Unternehmensgewinne stabilisieren sich, der straffe geldpolitische Kurs wird moderat abgemildert. In diesem Szenario böten die jetzigen Kursniveaus sowohl bei Aktien- als auch Rentenmärkten eine attraktive Kaufgelegenheit.

Viel plausibler ist jedoch eine „normale“ Rezession, denn die Realwirtschaft ist bereits spürbar durch die geldpolitische Straffung ausgebremst. Diese zu lockern, lassen die Inflationsprognosen nicht zu. In diesem Szenario ist ein zeitnaher Turnaround an den Märkten unwahrscheinlich, mindestens eine weitere Abverkaufswelle wäre zu erwarten.

Im Ernstfall könnte sogar eine schwere weltweite Rezession drohen, verursacht durch starke ökonomische Ungleichgewichte. Auslöser könnten die globale Verschuldung von Unternehmen und Staaten oder der aufgeblähte chinesische Immobilienmarkt sein. In diesem Szenario würde der Negativtrend an den Aktienmärkten mindestens bis zum Jahresende anhalten.

Starker US-Dollar gefährdet Aktienmärkte

Die amerikanische Notenbank FED räumt der Inflationsbekämpfung eine hohe Priorität ein. Mit ihrem rigorosen Straffungskurs treibt sie die rasante Dollaraufwertung voran. Die starke US-Währung ist aber auch ein Symptom der kriselnden Weltkonjunktur und der erhöhten geopolitischen Unsicherheit. In solchen Zeiten ist der Dollar als sicherer Hafen gefragt. Seine Stärke entwickelt sich allerdings zu einem starken Risikofaktor für die globalen Aktienmärkte. Denn diese werden dominiert von multinationalen US-Unternehmen, die einen Großteil ihrer Erlöse im Ausland erzielen und daher empfindlich von der Aufwertung getroffen werden. Zudem ist der US-Dollar die weltweit wichtigste Schuldenwährung, die aktuelle Entwicklung erhöht die Last der Schuldner in der jeweiligen Währung vor Ort.

Kurz- bis mittelfristig dürfte der US-Dollar stark bleiben. Langfristig sollte er aufgrund der deutlichen Überbewertung aber auch wieder Schwäche zeigen. Global agierende Investoren mit hoher Dollar-Exponierung sollten vor diesem Hintergrund ihr Währungsmanagement agiler aufstellen.

Über Dr. Eduard Baitinger

Dr. Eduard Baitinger ist seit 2015 Head of Asset Allocation in der FERI Gruppe. Er verantwortet den Bereich quantitative Asset Allocation der FERI Trust, wo er auch zahlreiche Forschungsprojekte steuert und koordiniert. In enger Abstimmung mit dem FERI-Vorstand und Chief Investment Officer, Dr. Heinz-Werner Rapp, vertritt er ferner die Anlagestrategie der FERI-Gruppe und deren Kommunikation an Mandanten und Kunden der FERI.

Vor seiner Tätigkeit bei FERI war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bremen und Finanzanalyst bei einem Asset Manager. 2010 schloss er sein Studium an der Universität Bremen, begleitet von einem Auslandsaufenthalt in New York, als Diplom Ökonom ab. 2014 promovierte Eduard Baitinger mit Auszeichnung über neue Ansätze für das quantitative Asset Management. Dr. Baitinger publiziert regelmäßig in akademischen Fachzeitschriften und fungiert als akademischer Gutachter.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

FERI AG, Haus am Park  Rathausplatz 8-10, 61348 Bad Homburg, Tel: +49 (0) 6172 916-0, Fax: +49 (0) 6172 916-9000, www.feri.de

Langfristiger Vermögensaufbau auch mit kleinen Sparraten – Testsieger: Smartbroker, Flatex, Comdirect und Consorsbank

 

Zahlreiche Risikofaktoren sorgen an den Börsen für Unruhe. Anlegerinnen und Anleger, die wegen der Minizinsen auf Tages- oder Festgeldkonten auf Aktien setzen, brauchen derzeit starke Nerven. Eine langfristig risikoärmere Alternative können Wertpapier-Sparpläne sein: Durch das regelmäßige Sparintervall ist der Einstiegszeitpunkt weniger entscheidend, die Sparrate ist individuell festlegbar und das Angebot vieler Banken umfangreich. Welche Anbieter mit ihren Produkten überzeugen, zeigt der Test des Deutschen Instituts für Service-Qualität, welches die Sparpläne von 16 Finanzinstituten und Online-Brokern untersucht hat.

Geringe Einstiegshürden, hohe Flexibilität

Ob für Indexfonds (ETFs), aktiv gemanagte Fonds, Zertifikate oder Aktien – das Angebot an Sparplan-Produkten ist bei vielen Banken groß. Selbst für Kleinanleger, die langfristig sparen möchten, etwa für die Altersvorsorge, sind diese Produkte interessant: Bei elf der 16 untersuchten Finanzinstitute sind Sparraten schon ab 25 Euro oder weniger möglich; einen Mindestsparbetrag, der über 50 Euro hinausgeht, setzt lediglich ein Anbieter – und zwar nur bei Aktien-Sparplänen – voraus. Oft flexibel wählbar ist auch das gewünschte Sparintervall: Den Kundinnen und Kunden stehen hier meist drei bis fünf Varianten zur Auswahl, etwa monatlich, zweimonatlich oder quartalsweise.

Gebühren als Renditekiller

Sparpläne bieten als langfristiges Anlageprodukt relativ gute Renditechancen, aber die unterschiedliche Gebührenstruktur der Anbieter ist hier ein wichtiger Einflussfaktor. Beispiel ETF-Sparpläne: Bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro variieren die Kosten pro Ausführung je nach Anbieter und Produkt zwischen 0 Euro und 2,75 Euro. Dies summiert sich auf lange Sicht: Allein an Order-Gebühren beträgt hier der Unterschied bei einem Anlagehorizont von fünfzehn Jahren 495 Euro.

Markus Hamer, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Service-Qualität, empfiehlt: “Die Regelmäßigkeit des Sparens führt selbst bei geringen Beträgen für einen Vermögensaufbau, der etwa gegenüber dem Einzelkauf von Aktien auf lange Sicht deutlich risikoärmer ist. Gebühren schmälern aber das Ergebnis – ein Vergleich, etwa der Depot- und Ordergebühren, ist ratsam.”

Die besten Sparplan-Anbieter

Testsieger in der Kategorie Fonds-Sparpläne ist Smartbroker. Das Finanzinstitut verfügt über mehr als 1.000 sparplanfähige Fonds, die allesamt ohne Ausgabeaufschlag angeboten werden. Die Mindestsparrate liegt bei 25 Euro; Kosten für das Depot fallen nicht an.

Fonds-Sparpläne:

  1. Smartbroker, 2. Consorsbank, 3. Flatex

Den ersten Rang im Bereich der ETF-Sparpläne belegt Flatex mit dem größten Angebot: über 1.300 entsprechende Produkte, für die auch keine Ordergebühr anfallen. Für Neukunden ist das Depot in den ersten zwei Jahre kostenfrei (regulär: jährlich 0,10 Prozent des Wertpapierkurswerts). Für Fonds und ETFs wird generell keine Depotgebühr erhoben.

ETF-Sparpläne:

  1. Flatex, 2. ING, 3. Consorsbank

Platz eins im Bereich der Zertifikate-Sparpläne sichert sich die Comdirect. Die Commerzbank-Marke punktet mit einer niedrigen Mindestsparrate von monatlich 25 Euro, einem großen Portfolio von über 150 Zertifikate-Sparplänen und vergleichsweise niedrigen Kosten.

Zertifikate-Sparpläne:

  1. Comdirect, 1822direkt, 3. Consorsbank

In der Kategorie Aktien-Sparpläne positioniert sich die Consorsbank auf Rang eins. Ausschlaggebend sind ein sehr großes Angebot, das auch Sparpläne auf ausländische Aktien umfasst, moderate Kosten sowie eine niedrige Mindestsparrate von 10 Euro.

Aktien-Sparpläne:

  1. Consorsbank, 2. ING, 3. 1822direkt

Weitere Finanzinstitute im Test (alphabetisch): Commerzbank, DKB Deutsche Kreditbank, GLS Bank, Hypovereinsbank, Maxblue, Onvista Bank, Postbank, S Broker, Santander und Targobank.

Fakten zum Test

Das Deutsche Institut für Service-Qualität untersuchte die Sparpläne von 16 Finanzinstituten und Online-Brokern. Im Fokus standen dabei die Produktkategorien Fonds, ETFs, Zertifikate sowie Aktien. Grundlage der Untersuchung waren definierte Anlegerprofile. In das Gesamtergebnis flossen neben den Resultaten der Kostenanalyse auch Angebots- und Leistungskriterien ein. Die Erhebung erfolgte über Unternehmensanfragen; die Daten wurden validiert und vergleichend bewertet (Stand Ausstattungsdaten: 01.03.2022; Stand Kostendaten: 01.06.2022).

Das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) verfolgt das Ziel, die Servicequalität in Deutschland zu verbessern. Das Marktforschungsinstitut mit Sitz in Hamburg führt zu diesem Zweck unabhängige Wettbewerbsanalysen und Kundenbefragungen durch. Über 2.000 geschulte Testerinnen und Tester sind in ganz Deutschland im Einsatz. Die Leitung der Forschungsprojekte, bei denen wissenschaftlich anerkannte Methoden und Service-Messverfahren zum Einsatz kommen, obliegt einem Team aus Soziologen, Ökonomen und Psychologen. Dem Verbraucher liefert das Institut wichtige Anhaltspunkte für seine Kaufentscheidungen. Unternehmen gewinnen wertvolle Informationen für das eigene Qualitätsmanagement. Das Deutsche Institut für Service-Qualität arbeitet im Auftrag von renommierten Print-Medien und TV-Sendern; Studien für Unternehmen gehören nicht zum Leistungsspektrum des DISQ.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

DISQ Deutsches Institut für Service-Qualität GmbH & CO. KG, Dorotheenstraße 48, 22301 Hamburg, Tel: +49 (0) 40 27 88 91 48-0, www.disq.de

Der Robo-Advisor quirion hat sein Angebot erweitert: Ab jetzt gibt es mit quirion Digital, quirion Premium und quirion Privat drei neue Service-Pakete für die Geldanlage.

 

Sie unterscheiden sich dabei vor allem im Umfang der persönlichen Beratung, die Kundinnen und Kunden optional und flexibel dazubuchen können. Das Asset Management, also die Anlagestrategie und deren Umsetzung, ist bei allen Paketen identisch und kostet im Digital-Paket einheitlich 0,48 Prozent des verwalteten Vermögens im Jahr. Der Preis für das nachhaltige Portfolio reduziert sich im neuen Digital-Paket damit um fast 30 Prozent, gleichzeitig entfällt die bisherige Mindestanlage. In Zukunft gibt es so keine Konditionen-Unterschiede mehr zwischen dem klassischen globalen Portfolio und der nachhaltigen Variante. Zudem erweitert quirion die Produktpalette und bietet erstmals Investments in ein Megatrends-Portfolio an. Dort sind zum Start fünf Anlagethemen gebündelt, die quirion jeweils über einen Mix aus mehreren ETFs abbildet.

quirion baut Beratungsangebot weiter aus

Grundstein der neuen Service-Abos bildet das Digital-Paket, das sich an Kundinnen und Kunden mit einem geringeren Beratungsbedarf richtet. Dabei kann in ein globales, nachhaltiges oder das Megatrends-ETF-Portfolio investiert werden. Zum Depot-Management gehören wie bisher auch ein digitaler individueller Anlagevorschlag – basierend auf dem Risiko-Rendite-Profil – eine laufende Risikoüberwachung, regelmäßiges Rebalancing sowie kostenfreie Strategiewechsel.

Zusätzlich zu den Grundleistungen des Digital-Pakets haben Kundinnen und Kunden die Option, ihr Paket aufzustocken und ergänzende Leistungen hinzuzubuchen: Das Premium-Paket (Kosten: 0,84 Prozent des verwalteten Vermögens im Jahr, keine Mindestanlage) beinhaltet neben der persönlichen Beratung per Telefon und Video außerdem ein professionelles Finanzcoaching-Programm – dort wird in interaktiven Formaten Expertenwissen rund um das Thema Geldanlage und Finanzen vermittelt. Mit dem Privat-Paket (Kosten: 1,2 Prozent des verwalteten Vermögens im Jahr, Mindestanlage 25.000 Euro) entscheiden sich Kundinnen und Kunden für eine ganzheitliche Beratung und Vermögensanalyse. Sie erhalten eine persönliche Beraterin oder einen persönlichen Berater der Quirin Privatbank, auf Wunsch auch vor Ort in den 15 Standorten der Bank.

Martin Daut, CEO der quirion AG, sagt: “Unser Ziel war von Beginn an, möglichst allen einen Zugang zur Geldanlage zu bieten. Wie wir wissen, sind aber manchen rein digitale Angebote zu unpersönlich. Sie möchten mit Experten über ihre Fragen rund um die Geldanlage sprechen. Für solche Fälle haben wir mit dem Premium- und Privat-Paket nun – je nach gewünschter Individualität und Tiefe der Beratung – gleich zwei verschiedene Service-Abos im Angebot. Zudem können Kundinnen und Kunden je nach aktuellem Bedarf flexibel zwischen den unterschiedlichen Paketen wechseln.”

Flexible und niedrigschwellige Geldanlage: Service-Pakete im Abo

Bei den neuen Service-Paketen gibt es keine oder nur geringe Mindestlaufzeiten. Wie Kundinnen und Kunden das von anderen digitalen Abo-Modellen kennen, können sie – nach Ablauf einer eventuellen Mindestlaufzeit – monatlich kostenfrei zwischen den unterschiedlichen Service-Abos wechseln. Bei quirion Digital gibt es keine Mindestlaufzeit, bei quirion Premium gilt zu Beginn eine Laufzeit von einem Monat und bei quirion Privat beträgt die Mindestlaufzeit sechs Monate.

Produktpalette erweitert: Erstmals Investments in Megatrends-Portfolios im Angebot

Kundinnen und Kunden, in deren persönliches Risikoprofil eine hohe Aktienquote passt, können ab jetzt in ein Megatrends-Portfolio investieren und damit bei ihrer Geldanlage auf ausgewählte Zukunftsbranchen setzen. quirion hat dafür Megatrends unter die Lupe genommen und spezielle Themen-ETFs analysiert. Das Ergebnis: ein neues Portfolio, das sich auf zunächst fünf zukunftsweisende Anlagethemen konzentriert – Clean Energy, Cyber Security, Infrastruktur, Machine Learning sowie Smart Cities. “Viele unserer Kundinnen und Kunden haben sich Themen-Investments gewünscht. Wir bündeln jetzt zunächst fünf spannende Themen in einer Megatrends-Vermögensverwaltung. Das neue Angebot ist eine Ergänzung zu unseren globalen oder nachhaltigen ETF-Portfolios und richtet sich an Anlegerinnen und Anleger, die eine entsprechende Risikobereitschaft sowie Erfahrung reiner Aktieninvestments mitbringen”, sagt Martin Daut.

Über quirion

quirion ist mit über 1,2 Mrd. Euro verwaltetem Kundenvermögen einer der führenden Robo-Advisor in Deutschland und bietet Anlegern den Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung an. quirion ist eine Tochter der Quirin Privatbank. Anleger können über www.quirion.de mit kostengünstigen, effizienten Anlageprodukten von den Ertrags-Chancen der internationalen Kapitalmärkte profitieren. Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank, gründete quirion 2013. Schmidt gilt in der Branche als Vorreiter: Vor quirion revolutionierte er bereits zwei Mal den Bankenmarkt – mit der Gründung des ersten Onlinebrokers Consors und der Gründung der ersten Honorarberaterbank Deutschlands, der Quirin Privatbank.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

quirion AG, Kurfürstendamm 119, 10711 Berlin, Tel: + 49 (0) 30 89021-400, www.quirion.de

Die Regierungskoalition in Japan hat zwei Tage nach dem tödlichen Attentat auf den ehemaligen Premierminister Shinzō Abe einen klaren Sieg bei der Oberhaus-Wahl erzielt.

 

Die Liberaldemokratische Partei (LDP) und ihr Koalitionspartner Komeito sicherten sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit und können nun die von Abe jahrelang angestrebte Reform der pazifistischen Verfassung Japans vorantreiben. Die Bestätigung der politischen Richtung, gepaart mit der moderaten Inflation und der Wiedereröffnung des Landes dürfte laut Richard Kaye, Portfoliomanager des Comgest Growth Japan, dazu beitragen, dass Japan in diesem Jahr zu den Märkten mit der besten Performance gehören könnte. Die Aufholjagd, die eigentlich erst mit der Regierung unter Abe im Jahr 2012 begonnen hat, sollte daher weiter an Fahrt gewinnen.

Ironischerweise ist Japan eine Nation, die nichts gegen ein bisschen mehr Inflation hätte. Selbst steigende Energiekosten und der globale Druck auf die Lieferketten haben Japan nicht dazu verholfen, das Inflationsziel der Zentralbank von 2 Prozent zu erreichen. Die Bank of Japan löste die stärksten Kursverluste des Yen seit fast 50 Jahren aus, indem sie sich dem globalen Druck zur Anhebung der Zinssätze widersetzte. Als Folge haben Anleger einige der erfolgreichsten japanischen Wachstumsunternehmen abgestoßen und sich auf Bank- sowie Immobilienaktien gestürzt – mit der Überzeugung, dass eine Value-Rotation in vollem Gange ist. „Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass das Land als sicherer Hafen vor einem unkontrollierten Preisanstieg gilt. Wir haben keine Immobilieninflation, keine junge Verbraucherbasis und keine Lohninflation in Japan. All diese Aspekte überzeugen uns, dass Japan in der aktuellen Inflationsdebatte anders gesehen werden sollte“, sagt Kaye. Der durchschnittliche Grundstückswert in Japan stieg im März um 0,6 Prozent – der erste Wachstumsschub seit zwei Jahren. Die Immobilienpreise sind jedoch weiterhin nicht in der Lage, sich zu erholen, und setzen damit den Abwärtstrend fort, der durch das Platzen der Vermögensblase im Jahr 1991 und durch die globale Finanzkrise ausgelöst wurde. Japan hat die älteste Bevölkerung der Welt: 28,7 Prozent der Einwohner sind mindestens 65 Jahre alt. Schätzungen zufolge wird bis zum Jahr 2036 sogar jeder dritte Einwohner 65 Jahre oder älter sein. Die alternde Bevölkerung des Landes hat keine so hohe Konsumbereitschaft wie die jüngeren Verbraucher in den USA und Europa. Die effektive Lohninflation wird begrenzt, da Japan keine Covid-bedingten Ausgangssperren für seine Einwohner erlassen hat, wodurch die Wirtschaft kein neues Personal einstellen musste.

Marktstimmung darf nicht über fundamentale Werte hinwegtäuschen „Würden aktuell die Energiepreise nicht rasant ansteigen, könnte die Inflation sich sogar im Minusbereich bewegen. Folglich ist der typische Schaden, den die Inflation dem Standardmodell des diskontierten Cashflows zufügt, nicht so groß wie in anderen Regionen. Eine Abkehr von japanischen Wachstumswerten macht keinen Sinn, außer die Fundamentaldaten des Unternehmens sind nicht gut“, ist Kaye überzeugt. Einige Qualitätsunternehmen mussten allein aufgrund der allgemeinen Marktstimmung Kursverluste hinnehmen. Im Januar 2022 fielen zum Beispiel die Aktienkurse von M3 und Sysmex, zwei großen japanischen Wachstumsunternehmen, genauso stark wie der Kurs der Amazon-Aktie während der Dotcom-Blase. Betrachtet man jedoch nur die Performance der beiden Unternehmen, gibt es keinen offensichtlichen Grund für den Rückgang. M3 bietet Medizinern ein Online-Portal für den Austausch fachlicher Informationen – etwa wie man eine Krankheit richtig diagnostiziert – und entsprechende Dienstleistungen. Das Unternehmen hat eine operative Gewinnmarge von fast 30 Prozent und ist Teil des japanischen Gesundheitswesens, das Kaye zufolge reif für Modernisierung und Digitalisierung ist.

Wachstumsunternehmen in Wachstumsbranchen Das auf Diagnosegeräte spezialisierte Unternehmen Sysmex hat eine ähnliche Geschichte vorzuweisen, wobei dessen Aktienkurs seit Januar 2022 ebenfalls stark gefallen ist. Nichtsdestotrotz hat das Unternehmen einen Vorsprung vor nicht-japanischen Konkurrenten, da in Japan die Nachfrage nach Tests für Krankheiten wie Magenkrebs und Diabetes traditionell höher ist. Derzeit entwickelt Sysmex Roboter zum Assistieren bei chirurgischen Eingriffen und arbeitet an einem Verfahren zur Erkennung von Alzheimer. „In einer alternden Gesellschaft gibt es nur wenige Sektoren, die so viel Rückenwind erfahren wie medizinische Tests und diagnostische Dienstleistungen. Der Cashflow und das vorhersehbare Gewinnwachstum sind nach wie vor stark, was Sysmex unserer Meinung nach zu einer bedeutenden japanischen Wachstumsstory macht. Die Abkehr von so einem Unternehmen erachten wir daher nicht als sinnvoll“, so Kaye. Ein weiteres Beispiel ist GMO Payment Gateway, der größte Anbieter von Online-Zahlungen und bargeldlosen Transaktionsdiensten in Japan. Dieses Thema wird vermutlich von Experten in allen Regionen als vielversprechend eingeschätzt, aber Japan geht erst langsam zum bargeldlosen Zahlungsverkehr über, was bedeutet, dass es noch viel Luft nach oben gibt. GMO Payment Gateway erlebte in den letzten 12 Monaten einen starken Kurseinbruch, der jedoch nicht durch Verschulden des Unternehmens entstanden ist – das KGV war nämlich sehr hoch, wurde aber durch transparente Gewinne bzw. transparentes Gewinnwachstum gerechtfertigt.

Value-Aktien mit rauerem Klima konfrontiert Die Geschichte der japanischen Wachstumsaktien ist aktueller denn je. Das Land hat im Frühling endlich seine letzten Covid-Beschränkungen aufgehoben und der Alltag sowie die Erträge der Unternehmen normalisieren sich wieder, sodass vielversprechende Unternehmen noch deutlicher erkennbar sind. Es ist daher davon auszugehen, dass mehrere zyklische Sektoren, wie Banken und Immobilien, die aufgrund der Inflationsangst der Anleger einen Aufschwung erlebten, bald mit einem raueren Klima konfrontiert sein könnten, sodass die wirklich nachhaltigen Wachstumsstorys in den Vordergrund treten. Einige der stärksten Unternehmen Japans haben schon viele Krisen überstanden, beispielsweise 70 Jahre Währungsaufwertung, Mangel an natürlichen Ressourcen, Beschränkung von bewohnbarem Land, Diebstahl von geistigem Eigentum und Naturkatastrophen. Aus langfristiger Perspektive ist Japan ein gutes Argument gegen breit angelegte Sektor-Wetten. Denn die Flucht in Value-Aktien macht keinen Sinn, wenn die Inflation im weltweiten Vergleich immer noch gering ist. Anleger laufen dann verstärkt Gefahr, starke Wachstumsunternehmen zu verpassen.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Comgest Deutschland GmbH, Sky Office, Kennedydamm 24, D-40476 Düsseldorf, Tel.: +49 21144038721, www.comgest.com

Sozialanleihen können die soziale Wirkung eines Portfolios ohne Renditeverlust verbessern

 

NN Investment Partners (NN IP) legt den Fonds NN (L) Social Bond auf, der neben einer attraktiven Rendite auch eine positive soziale Wirkung anstrebt. Die Emission erfolgt zu einer Zeit, in der Unternehmen, Regierungen und regierungsnahe Einrichtungen zunehmend Sozialanleihen ausgeben. Diese finanzieren damit Projekte, die einen gesellschaftlichen Beitrag mit neutralen oder positiven Auswirkungen auf die Umwelt leisten. Die Erlöse aus dem Fonds werden für zuvor festgelegte Projekte mit eindeutigem sozialem Nutzen für eine konkrete Zielgruppe verwendet.

Investorenmöchten zunehmend ihre Portfolios sowohl an ihren finanziellen Zielen als auch an international anerkannten Nachhaltigkeitszielen wie den UN-Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) ausrichten. Gleichzeitig verlagert sich der Schwerpunkt der Impact-Investoren von der ökologischen zur sozialen Wirkung. Investitionen in Sozialanleihen können einen positiven Beitrag zu zehn SDGs leisten, die für die Erreichung der weltweit dringendsten sozialen Ziele relevant sind. Diese SDGs reichen von der Bekämpfung von Armut, Hunger und Geschlechterungleichheit bis hin zur Förderung von hochwertiger Bildung und Arbeit.

Dieser neue Fonds ergänzt das bestehende Angebot an Impact-Bond-Fonds von NN IP und wendet einen ähnlich strukturierten Investmentprozess an wie die Flaggschiffstrategien für grüne Anleihen von NN IP.

Obwohl Green Bonds als Anlageklasse schon etabliert sind, sind Sozialanleihen eines der am schnellsten wachsenden Segmente nachhaltiger Investments. Sie ermöglichen den Aufbau eines gut diversifizierten Portfolios und können einen Teil einer klassischen Fixes-Income-Allokation ersetzen, ohne ein zusätzliches Kreditrisiko einzugehen. Außerdem weisen sie in Bezug auf Emittentenexposure, Rating, Rendite und Duration die gleichen Merkmale auf wie ihre herkömmlicheren Pendants.

Bram Bos, Lead Portfolio Manager Green, Social and Impact Bonds bei NN Investment Partners, sagt: „Wir freuen uns, dass wir unsere Dynamik im Bereich Impact Investing fortsetzen und  eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Initiativen spielen können, die der sozialen Entwicklung dienen. Die Social-Bonds-Emissionen haben 2020 und 2021 zugenommen, insbesondere zur Finanzierung sozialer Projekte, die sich auf die Bewältigung der langfristigen Pandemiefolgen konzentrieren. In dieser Zeit holte der Social-Bonds-Markt gegenüber anderen Impact Bonds auf. Er verfügt nun über eine Kapitalisierung von mehr als 400 Mrd. EUR und bietet Investmentchancen für ein gut diversifiziertes Social-Bonds-Portfolio. Für 2022 erwarten wir ein Emissionsvolumen von 250 Mrd. EUR[1]. Wir sehen positive Wachstumschancen und freuen uns darauf, den Markt für Sozialanleihen zu erschließen und auf eine bessere Zukunft hinzuarbeiten.“

Der Fonds investiert in erster Linie in globale Sozialanleihen und auf Euro lautende Geldmarktinstrumente von hoher Qualität (AAA bis BBB-), kann aber auch Nachhaltigkeitsanleihen berücksichtigen, bei denen mindestens die Hälfte der Erlöse in soziale Projekte fließt. Er konzentriert sich insbesondere auf Investments in Sozial- und Nachhaltigkeitsanleihen, deren Erlöse sozialen Projekten zugutekommen, die bezahlbare Basisinfrastrukturen fördern, darunter Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen in den Bereichen Bildung und Gesundheit, erschwinglichen Wohnraum, Beschäftigung, Ernährungssicherheit sowie sozioökonomischen Fortschritt und Empowerment.

Roel van Broekhuizen, Portfolio Manager Green, Social and Impact Bonds bei NN Investment Partners, fügt hinzu: „Es werden nur Anleihen berücksichtigt, die der Finanzierung von Projekten dienen, die mit den Social Bond Principles übereinstimmen, aber wir gehen über die übliche Kennzeichnung hinaus. Alle Investments werden einer detaillierten ESG-Prüfung auf Emittentenebene und einer strengen Social-Bonds-Bewertung unterzogen, die die Verwendung der Erlöse, die Projektbewertung, die Steuerung der Erlöse und die Berichterstattung über den erwarteten sozialen Impact umfasst. Darüber hinaus stehen wir in ständigem Kontakt mit den Emittenten, um Social Washing zu verhindern, und wir nutzen unsere Erfahrung auf dem Green-Bonds-Markt, um dies effektiv zu tun. So können die Anleger sicher sein, dass nur Anleihen, die unseren strengen Kriterien entsprechen, in das Portfolio aufgenommen werden.“

 

Verantwortlich für den Inhalt:

NN Investment Partners B.V., German Branch, Westhafenplatz 1, 60327 Frankfurt am Main, Tel. + 49 69 50 95 49-15, www.nnip.com

Von Rory Stokes und Ollie Beckett, Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors

 

  • Europäische Small Caps haben bisher meist besser abgeschnitten als ihre Large-Cap-Pendants, da sie generell von solideren Bilanzen und höheren Gewinnen profitieren
  • Der Sektor verzeichnet viele M&A- und IPO-Aktivitäten und wird von Analysten relativ wenig beobachtet – ein fruchtbarer Boden für aktive Stockpicker
  • Wir gehen davon aus, dass das nächste Jahrzehnt im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen wird, und Europa ist auf diesem Gebiet weltweit führend

Kleinere Unternehmen haben große Unternehmen überholt

Kleinere Unternehmen haben ein höheres Wachstumspotenzial als ihre größeren Pendants. Small Caps sind typischerweise jüngere Unternehmen, die sich in der Regel noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, geografisch noch expandieren können oder in angrenzende Märkte vorstoßen wollen und häufig in schnell wachsenden, neu entstehenden Branchen tätig sind.

Im Vergleich dazu sind Large-Cap-Unternehmen oft in ausgereiften Branchen tätig und haben bereits weltweit expandiert. Diese Large-Cap-Aktien sind unter Umständen auf höhere Preise, Kostensenkungen oder die Übernahme von Marktanteilen angewiesen. Einige mögen auf US-Aktien, insbesondere auf Mega-Caps aus dem Technologiesektor, verweisen, die mit ihren historischen „Winner takes all“-Geschäftsmodellen eine Ausnahme von diesem Trend darstellen. Aber auch hier gibt es Sättigungsprobleme und eine verstärkte regulatorische Kontrolle, zusätzlich zu der jüngsten wachstumsfeindlichen Markthaltung. Unserer Ansicht nach ist es für einen durchschnittlichen Large-Cap-Titel weniger wahrscheinlich, dass er seine Erträge aus seiner Position heraus verdoppeln kann, als für ein kleineres Unternehmen.

Starke Bilanzen und höhere Erträge bilden eine solide Grundlage

Kleinere Unternehmen sind oft stärker vom Wirtschaftswachstum abhängig als Large Caps. Starke Bilanzen können jedoch dazu beitragen, dass diese Unternehmen wirtschaftliche Abschwünge wie den durch die Pandemie verursachten überleben und sogar gestärkt daraus hervorgehen. Die Daten zeigen, dass ein größerer Anteil der kleineren europäischen Unternehmen über mehr Barmittel verfügt und sie im Vergleich zu ihren Large-Cap-Pendants vergleichsweise günstiger bewertet sind. Kleinere Unternehmen haben in der Vergangenheit auch ein höheres Gewinnwachstum als Large Caps erzielt, was zu einer höheren Performance beigetragen hat. Das bedeutet zwar nicht, dass die Small Caps ihren Kursverlauf beibehalten werden, doch unterstreicht dieser Punkt die Bilanzstärke von Small Caps.

Riesiges Unternehmens-Universum – von Sell-Side-Research weitgehend ignoriert

Das europäische Small-Cap-Universum bietet im Vergleich zu seinem Large-Cap-Gegenstück einen viel größeren Pool an weniger gut erfassten Aktien. Die große Mehrheit dieser Unternehmen wird vom Sell-Side-Research ignoriert oder nicht entdeckt, sodass anspruchsvollen Anlegern die Tür offen steht, um das nächste Juwel zu entdecken.

IPO- und M&A-Aktivitäten sorgen für strukturellen Rückenwind

Neben dem großen Universum gibt es in Westeuropa jedes Jahr zahlreiche Börsengänge (IPOs), die den Managern von Small Caps ständig neue Anlagemöglichkeiten bieten – Abbildung 2. Gleichzeitig werden Fusionen und Übernahmen (M&A) zunehmend zum Thema, bei denen immer wieder kleinere Unternehmen zum Ziel werden. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da bei M&A-Transaktionen in der Regel ein Bewertungsaufschlag auf den ursprünglichen Aktienkurs einer Aktie gezahlt wird, um die Aktionäre zu überzeugen. Die Daten zeigen, dass rund 91 % aller Fusionen und Übernahmen zwischen 2008 und 2021 den Kauf eines Small-Cap-Unternehmens in Europa betrafen.

Kleinere Unternehmen wesentlich risikoreicher?

Die Zusammensetzung des Small-Cap-Universums unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von derjenigen der Large Caps. So ist der Technologiesektor bei kleineren Unternehmen deutlich weniger stark vertreten. Nach einem fantastischen Jahrzehnt hoch bewerteter Technologieunternehmen sehen wir dies einfach als eine geringere Risikokonzentration bei Small Caps an. Kleinere Unternehmen sind auch eher im Besitz und unter Leitung von Familien oder Kerninvestoren. Dies bedeutet in der Regel, dass bei der Kapitalverwendung mehr Sorgfalt herrscht und die Wahrscheinlichkeit unüberlegter, auf kurzfristige Gewinnsteigerungen ausgerichteter Übernahmen geringer ist.

Kleinere europäische Unternehmen – Warum jetzt?

  1. Inflation

Im Vergleich zu Large-Cap-Unternehmen sind Finanzwerte, Materialien und Immobilien besser vertreten. Dies könnte sich als vorteilhaft erweisen, da diese Sektoren traditionell von steigenden Zinssätzen profitieren. Ein Beispiel dafür ist der Immobiliensektor, wo ein inflationäres Umfeld tendenziell zu einer größeren Nachfrage und höherem Vermietungsgrad geführt hat. Immobilieneigentümer können in inflationären Zeiten die Mieten erhöhen, und viele Mietverträge enthalten einen Mietpreisindex, der jährlich mit der Inflation wächst.

  1. Bewertungen

Die Bewertungen der europäischen Small Caps sind auf dem niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre, was sie im historischen Vergleich attraktiv macht. Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, dass es zu weiteren Herabstufungen kommen kann.

  1. Die grüne Agenda Europas

Während die letzten zehn Jahre von der Entwicklung der Mega-Cap-Tech-Unternehmen geprägt waren, glauben wir, dass das nächste Jahrzehnt von Investitionen in Nachhaltigkeit geprägt sein wird. Europa ist in diesem Bereich bereits weltweit führend und behauptet seine Dominanz durch die zahlreichen Initiativen der Europäischen Union, die sich auf insgesamt mehr als 1,8 Billionen Euro belaufen.1 Die jüngste Initiative ist der European Recovery Fund, der die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Maßnahmen zur Bewältigung der durch die Pandemie verursachten wirtschaftlichen und sozialen Folgen gestellt hat. Wir sind der Meinung, dass europäische Unternehmen, von denen sich viele bereits mit Nachhaltigkeitsaspekten befassen, potenziell von dem weltweiten Vorstoß in Richtung nachhaltiger Praktiken profitieren können.

Das Universum der kleineren Unternehmen in Europa bietet eine äußerst vielfältige und dynamische Mischung von Wachstumsunternehmen. Mit starken Bilanzen, soliden Gewinnen und weniger gut abgedeckten Unternehmen, die anfällig für Fehlbewertungen sind, glauben wir, dass kleinere europäische Unternehmen eine bedeutende Chance für aktive Stockpicker darstellen können. Darüber hinaus könnten der Inflationsdruck und die zunehmende Bedeutung ökologischer und sozialer Faktoren der Anlageklasse zugutekommen.

Fußnoten

1 Europäische Kommission, The EU’s NextGenerationEU (NGEU) stimulus package as at November 2020.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Janus Henderson Investors, Tower 185, 25th floor, Friedrich-Ebert-Anlage 35-37, D-60327 Frankfurt am Main, Tel: +49 69 86003 0,Fax: +49 69 86003 355, www.janushenderson.com

Globale Wachstumsabschwächung wird Unternehmen weiter belasten

 

Die Fondsboutique Wagner & Florack rechnet aufgrund steigender Zinsen mit einer globalen Wachstumsabschwächung. Höhere Zinsen senken die Kreditnachfrage und führen letztlich zu einer geringeren Nachfrage. „Vor allem Firmen mit hohem Wettbewerb, hoher Kapitalintensität und hoher Verschuldung werden große Probleme bekommen“, erklärt Dominikus Wagner, Firmengründer sowie Fondsmanager des Wagner & Florack Unternehmerfonds. „Was es mehr denn je braucht sind Unternehmen, die über ein robustes Geschäftsmodell mit Preissetzungsmacht verfügen, verlässlichen Umsatz generieren und hohe Margen halten können. Diese Firmen können der Inflation und auch einer Rezession trotzen.“

Mit diesem Fokus spielen Marktprognosen für Wagner & Florack eine untergeordnete Rolle. Das Fondsmanagement selektiert Unternehmen grundsätzlich unter anderem nach der Robustheit des Geschäftsmodells sowie nach Wachstums-, Margen- und Free Cash-Flow-Kriterien. Unter den aktuellen makroökonomischen Gegebenheiten kommt der Belastbarkeit des unternehmerischen Gewinns laut Wagner eine besondere Bedeutung zu: „Unsere Unternehmen können auch unter schweren Bedingungen Geld verdienen und ihre Gewinne bei angemessenen bzw. günstigen Bewertungen zuverlässig erhöhen.“

Dass die Kurse im Allgemeinen unter Druck geraten sind, müsse langfristige Investoren, die in qualitativ hochwertige Firmen investiert seien, nicht beunruhigen. “Entscheidend ist, dass unsere Beteiligungen ihre Kraft weiter unter Beweis stellen und verlässlich ihren Unternehmenswert steigern“, sagt Wagner. Damit konnten Unternehmen, die den strengen Qualitätsanforderungen von Wagner & Florack entsprechen, schon viele Krisen meistern und nicht selten gestärkt daraus hervorgehen. Das habe sich in wirtschaftlichen Erholungsphasen längerfristig auch in neuen Kursrekorden widergespiegelt.

Gleichzeitig verweist Wagner auf Chancen, die sich langfristig orientierten Anlegern bieten. So führt Wagner u.a. die Zinssensitivität von Technologie-Unternehmen ins Feld, die dazu geführt hat, dass auch Firmen wie Alphabet oder Apple deutlich im Kurs nachgegeben haben. Dabei gelte, so Wagner, das Argument der Zinssensitivität für diese Unternehmen nicht. „Ausnahmefirmen wie Alphabet, Apple, Microsoft oder Visa verdoppeln ihre Free Cash-Flows in etwa alle vier oder fünf Jahre. Zudem sind die Firmen nicht nur nicht verschuldet, sondern verfügen über sehr gut gefüllte Kassen“, so Wagner. Diese enorme Cash-Flow-Stärke erlaube diesen Firmen hohe Wachstumsinvestitionen, die die Unternehmen langfristig auf einen noch höheren Wachstumspfad höben. „Und die robusten, profitablen Consumer-Tech-Unternehmen sind -ohne die kurzfristige Kursentwicklung prognostizieren zu wollen- jetzt günstig bewertet, niedriger als die allermeisten der vielen margenschwachen Industrie 1.0-Firmen“, so der Fondsmanager. Das gelte auch für wettbewerbsüberlegene Anbieter von Alltagsprodukten wie Procter & Gamble oder L’Oréal.

Mit diesem Investmentansatz konnte der Unternehmerfonds eine langfristig signifikante Outperformance gegenüber seiner Morningstar-Vergleichsgruppe bei geringerer Volatilität und geringeren Maximum-Drawdowns erzielen.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Wagner & Florack Vermögensverwaltung AG, Marienburger Straße 24, 50968 Köln, Tel.: + 49 (0) 221 800 10 11-0, www.wagner-florack.de

Die meisten Metalle sind seit Mitte April stark gefallen und haben einen Rückgang der Wirtschaftsleistung vor dem Hintergrund hoher Inflation und steigender Leitzinsen eingepreist.

 

Das betrifft Kupfer, Zink, Palladium, Aluminium und Nickel, deren Preise um mehr als 20 Prozent fielen. Dadurch ist ein Großteil der Gewinne der letzten zwei Jahre zunichte gemacht worden, konstatiert Benjamin Louvet, Manager des OFI Financial Investment Energy Strategic Metals Fonds bei OFI Asset Management. Ist es jedoch möglich, dass die Märkte zu schnell und zu übertrieben reagiert haben – entweder aus technischen Gründen oder weil sie zu pessimistisch bezüglich der zukünftigen Wirtschaftslage sind? Welcher Trend wird sich also durchsetzen?

„Bislang konzentriert sich der Markt weiterhin auf die in Teilen der Welt einsetzende Konjunkturabschwächung und scheint ein äußerst pessimistisches Szenario einzupreisen. Eine anhaltende Rezession würde natürlich eine schwächere Nachfrage nach Rohstoffen bedeuten. Aber die Weltwirtschaft scheint noch nicht an diesem Punkt angelangt zu sein.

Der starke Preisrückgang bei Metallen ist wohl eher technischer Natur, da die Kurse für Vermögenswerte alle gleichzeitig gefallen sind: Anleger waren gezwungen, Positionen gegen ein Rezessionsszenario abzusichern oder auch Barmittel zu beschaffen. Die Fundamentaldaten der Metallmärkte und deren Angebot und Nachfrage scheinen sich nämlich nicht wesentlich verändert zu haben.

Angesichts der Abkopplung der Wirtschaftsdynamik in China von den anderen wichtigen Volkswirtschaften ist eine weltweit synchrone Abschwächung unwahrscheinlich. Aus unserer Sicht könnten zwei Faktoren sogar die Möglichkeit einer kräftigen Erholung eröffnen:

  1. Es gibt Anzeichen für eine Lockerung der “Null-Covid”-Politik in China
  2. Die Regierung plant ein großes Konjunkturpaket

Infolge des chinesischen Konjunkturprogramms könnte die Nachfrage für Metalle steigen und das ohnehin bereits bestehende Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage verschieben. Die anhaltende große Unsicherheit hinsichtlich der Coronabekämpfung und der wirtschaftlichen Lage in China könnte kurzfristig allerdings weiter für Volatilität auf diesen Märkten sorgen.

Langfristig gesehen ist die Entwicklung für uns jedoch eindeutig: Die Nachfrage nach Metallen, die für die Energiewende und die Dekarbonisierung der Volkswirtschaften benötigt werden, wird vor allem durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Elektrifizierung des Verkehrs steigen. Beide Sektoren werden stark subventioniert – sowohl in China als auch im Westen.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Ofi Asset Management, Adresse: 22, Rue Vernier, 75017 Paris, Tel: +33 1 40 68 17 17, www.ofi-am.fr

Fondskennzahlen sind eine wichtige Hilfe bei der Wahl der Geldanlage – Die alleinige Orientierung an der Wertentwicklung greift jedoch zu kurz – Informationen über Risiko und Kosten sind wichtig – Aussagekraft von „Active Share“ ist umstritten

 

Investmentfonds sind hierzulande eine beliebtes Anlageinstrument für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge. Doch die genaue Anzahl der in Deutschland zugelassenen Produkte ist gar nicht richtig bekannt. Schätzungen schwanken irgendwo zwischen 30.000 oder sogar 40.000 Publikumsfonds. Klar ist: Die Vielfalt ist enorm. Das gilt zum einen für die Anlageklassen, aber auch für Regionen, Branchen und Themen. So begrüßenswert das breite Angebot auch sein mag: Die Vielfalt des Fondsangebots macht es Anlegern und Beratern zunehmend schwer, das passende Finanzprodukt auszuwählen. Auf welche Kennzahlen gilt es zu achten, welche Informationen stellen eine wichtige Auswahlhilfe dar?

„Fondsratings können aus unserer Sicht nur eingeschränkt helfen, den richtigen Fonds zu finden“, sagt Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board (FPSB) Deutschland. „Denn einen einheitlichen Bewertungsmaßstab, den alle Ratingagenturen verwenden, gibt es nicht.“ Wie ein Fonds abschneidet, hängt von den speziellen Beurteilungskriterien einer bestimmten Agentur und auch oft von der subjektiven Einschätzung und den Fähigkeiten des Analysten ab. Deshalb kommen unterschiedliche Agenturen nicht selten zu recht verschiedenen Ergebnissen. Das bedeutet, Anleger kommen nicht umhin, selbst aussagekräftige Kennzahlen zu recherchieren und zu vergleichen. Auf den Datenblättern, den Factsheets, lassen sich nützliche Informationen finden, die eine wichtige Stütze bei der Entscheidungsfindung sein können. Dazu zählt die Kennziffer „Sharpe Ratio“. Sie gibt Auskunft darüber, wieviel Risiko ein Fondsmanager in Relation zur erzielten Rendite eingegangen ist. „Anleger sollten beachten: Je höher die „Sharpe Ratio“, desto besser ist das Verhältnis vom Ertrag zum Risiko“, erläutert Tilmes. Wenn die „Sharpe Ratio“ beispielsweise über eins liegt, heißt das, dass der Ertrag des Fonds mit einem relativ geringen Risiko erwirtschaftet wurde.

Auch der maximale Verlust, in der Fachsprache „Maximum Drawdown“ genannt, ist für Anlageprofis eine wichtige Information. Diese Kennzahl gibt an, wie hoch der stärkste prozentuale Wertrückgang innerhalb eines Zeitraums in der Vergangenheit war. Viel beachtet ist außerdem die Volatilität. Sie ist allgemein ein Maß für das Risiko einer Kapitalanlage und verrät, wie stark der Wert eines Fonds in einem bestimmten Zeitraum in der Vergangenheit um seinen Mittelwert schwankte. Eine hohe Volatilität ist ein Hinweis darauf, dass die Anlage mehr Risiken birgt.

Bisherige Wertentwicklung ist nur ein Anhaltspunkt

Die historische Performance eines Fonds sollte dagegen nur eine untergeordnete Rolle spielen. „Die bisherigen Leistungen des Fondsmanagers können nur einen sehr begrenzten Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung geben“, warnt Tilmes, der neben seiner Vorstandstätigkeit auch Academic

Director Finance & Wealth Management an der EBS Executive School, Oestrich-Winkel, ist. Die Zahlen der Vergangenheit sind zwar ein Anhaltspunkt dafür, wie sich ein Fonds in Zukunft verhalten könnte, aber keine Garantie.

Unter Fondselektoren umstritten ist die Aussagekraft der Kennziffer „Active Share“, die den Aktivitätsgrad von Fondsmanagern verdeutlicht. So bildet ein Fonds mit einem “Active Share” von 0 Prozent den Vergleichsindex identisch ab. Je höher der Wert, desto geringer sind die inhaltlichen Überschneidungen mit seinem Referenzindex. Untersuchungen zeigen jedoch, dass Fonds mit hohem “Active Share” nicht notwendigerweise besser abschneiden als vergleichbare Produkte mit niedrigerem Wert. „Die Gefahr besteht vielmehr darin, dass ein sehr aktives Handeln auch das Risiko des Fonds insgesamt sowie die Kosten erhöht“, gibt Tilmes zu bedenken. Aktive Fondsmanager, die sich von der jeweiligen Benchmark entfernen, seien nicht automatisch die besseren Fondsmanager.

Um die anspruchsvolle Fondsauswahl möglichst gut zu bewältigen, sollten sich Anleger unabhängige Unterstützung bei denen vom FPSB zertifizierten CFP® -Professionals holen. Sie können Anlegern dabei helfen, ein passendes Fondsportfolio aufzubauen. Die Professionals entwickeln zunächst mit ihren Kunden eine genaue individuelle Bedarfsanalyse, die sich am Risikoprofil des Anlegers und dessen persönlichen Einkommens-, Vermögens- und Lebensverhältnissen orientiert. Auf Basis dieser Analyse können sie ihre Kunden dann entsprechend beraten, so dass diese eine langfristige Vermögensaufteilung mit den richtigen Produkten aufbauen können, die auch zu ihrer individuellen Situation passt.

Ganz wichtig dabei: Die Professionals sind aufgrund ihrer hervorragenden Ausbildung in der Lage, die gesamte finanzielle Situation des Anlegers zu überblicken und entsprechend darauf zu reagieren – und das in einem persönlichen Gespräch. Diese ganzheitliche und vernetzte Beratungsphilosophie grenzt sich deutlich von den oft dominierenden produkt- und vertriebsorientierten Beratungsansätzen ab.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Financial Planning Standards Board Deutschland e.V., Eschersheimer Landstraße 61-63, 60322 Frankfurt am Main, Tel: 069 9055938-0, Fax: 069 9055938-10, www.fpsb.de

Kommentar von Adrie Heinsbroek, Chief Sustainability Officer bei NN Investment Partners

 

NN IP begrüßt die grüne EU-Taxonomie, da wir glauben, dass es den Investoren hilft, einen Rahmen für Aktivitäten, Produkte oder Dienstleistungen zu haben, die als nachhaltig gelten können. Wir sehen dies jedoch als Leitfaden und Ausgangspunkt für Investoren, um ihre eigenen Investitionsentscheidungen zu treffen. Die Diskussion über die Aufnahme von Erdgas und Kernenergie in die grüne EU-Taxonomie wird schon seit einiger Zeit geführt. Ob diese Bereiche in die EU-Taxonomie aufgenommen werden oder nicht, ändert nichts an unserer Ansicht über ihre Nachhaltigkeit, und wir würden unseren Rahmen für verantwortungsbewusstes Investieren nicht anpassen.

Der Standpunkt von NN IP zu Investitionen in die Kernenergie basiert auf drei grundlegenden Aussagen: 1) wir unterstützen den Übergang von fossilen Brennstoffen zu kohlenstoffärmeren Alternativen, 2) wir glauben, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien die langfristig tragfähigste Lösung für die Energieversorgung ist, und 3) wir sehen in der gegenwärtigen Situation die Notwendigkeit einer zusätzlichen Energiequelle (da erneuerbare Energien allein nicht den gesamten Bedarf decken können), und dafür ist die Kernenergie eine relativ kohlenstoffarme Alternative.

Im Rahmen der Nachhaltigkeits- und Impact-Strategien von NN IP werden keine Energieversorger finanziert, die zusätzliche Anlagen zur Stromerzeugung aus Kernenergie errichten. Es werden auch keine bestehenden Kernkraftwerke finanziert, mit deren Bau nach 2019 begonnen wurde, es sei denn, sie werden nach Ablauf der Laufzeit abgeschaltet oder es werden Wartungsarbeiten durchgeführt, um die Lebensdauer der Anlage zu verlängern, die dann nach Ablauf der Laufzeit abgeschaltet wird.

Es ist auch schwierig, über unsere Nachhaltigkeits- und Impact-Fonds in Kernenergie zu investieren, da es Schwellenwerte für Unternehmen hinsichtlich ihrer Erfolgsbilanz bei Sicherheit, Umweltgenehmigungen und Stakeholder-Management gibt. Tatsächlich haben mehrere Fonds von NN IP Kernenergie ausgeschlossen, da nur maximal 5 % der Stromerzeugung aus Kernenergie stammen dürfen.

Erdgas kann als Übergangsenergieträger betrachtet werden, in den wir unter bestimmten Bedingungen investieren können. Für unsere Green-Bonds-Strategien ist es jedoch nicht investierbar.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

NN Investment Partners B.V., German Branch, Westhafenplatz 1, 60327 Frankfurt am Main, Tel. + 49 69 50 95 49-15, www.nnip.com

Aktuelle Markteinschätzung von Lars Reiner, Gründer und Geschäftsführer von Ginmon

 

Aktien sind auch nicht immun gegen eine ausufernde Inflation. Aber: Es gibt keine Alternative, die sich in Zeiten hoher Teuerungsraten besser präsentiert. Vor allem für langfristig orientierte Anleger sind Aktien auch in Krisenzeiten das geeignetste Mittel zum Vermögensaufbau. Lockdowns in China, Krieg in der Ukraine, galoppierende Teuerungsraten in Deutschland, der Eurozone und in den USA, Lieferkettenprobleme, steigende Kosten für Öl und Gas sowie immer höhere Verbraucherpreise – die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Realität gleicht dieser Tage einer Liste des Schreckens. Diese Gemengelage verunsichert auch die Börsen. Die Leitindizes weltweit wanken. Doch trotz dieses herausfordernden Umfelds, für Aktionäre könnte es sich lohnen, einem Ausspruch von Winston Churchill zu folgen: „Never waste a good crisis!“

Leitindizes unter Druck

Zugegeben, die nackten Zahlen sprechen derzeit eher gegen den Silberstreifen am Börsenhorizont. Die Bundesregierung mahnt die Bürger an, sich auf härtere Zeiten einzustellen, die Weltbank hat die globale Wachstumsprognose von 4,1 auf 2,9 Prozent gesenkt und warnt vor einer Stagflation – einem schwachen Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig hoher Inflation, sinkender Unternehmensgewinne und steigender Arbeitslosigkeit. Die Inflationsrate liegt in Deutschland bei 7,6 Prozent, während sie in den USA im Mai auf 8,6 Prozent gestiegen ist – dem höchsten Stand seit rund 40 Jahren. Und während in den USA die Notenbank Federal Reserve (FED) bereits die Zinsschraube angezogen hat und noch weiter anziehen wird, agiert die Europäische Zentralbank (EZB) zurückhaltend und möchte den Leitzins erst im Juli auf voraussichtlich 0,25 Prozent anheben. Dabei ist das zögerliche Vorgehen der EZB nachvollziehbar: Einerseits fürchtet sie, die nach Corona in Gang gekommene Wirtschaft abzuwürgen. Andererseits sind es auch innereuropäische Sorgen, denn für den hochverschuldete Süden Europas wird die Bedienung seiner Schulden bei einer Anhebung der Leitzinsen schwieriger zu stemmen sein. Das alles wirkt sich auch auf die Aktienmärkte aus: Der DAX ist seit Jahresbeginn um mehr als 18 Prozent gefallen, der Dow Jones um 16 Prozent, die Technologiebörse Nasdaq gab im bisherigen Jahresverlauf gar um 29 Prozent nach.

Börsenhistorie macht Mut

Die aktuelle Krise ist nicht die erste – und sie wird auch nicht die letzte sein. Die Große Depression in den 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, zwei Weltkriege, Vietnam, Korea, die große Inflation in den 1970er-Jahren, die Asienkrise 1997/1998, das Platzen der Dotcom-Blase, die Eurokrise, die Finanzkrise im Jahre 2008 oder der Crash im Zuge der Coronakrise: Die Liste der Krisen ist lang, aber die Börsen erholten sich stets wieder und erklommen neue Höhen. Das belegen auch die Zahlen. So hat etwa der DAX nach dem coronabedingten Einbruch im März 2020 schon nach rund acht Monaten das Niveau von vor dem Crash erreicht. Länger dauerte hingegen die Erholung in der Finanzkrise 2007/08. Damals benötigte der DAX – ausgehend vom Stand Januar 2008 – rund drei Jahre, bis er diesen Stand zurückerobern konnte. Und: Seither kommt der DAX – trotz der jüngsten Korrektur – auf einen weiteren Anstieg von rund 5.000 Zählern oder gut 60 Prozent.

Auf lange Sicht kommt der Aktienmarkt gut mit einer hohen Inflation zurecht

Diese langfristige Entwicklung ist trotz zwischenzeitlicher Rückschläge und Korrekturen der Silberstreif am Horizont, der Anlegern Hoffnung machen könnte und den Satz von Winston Churchill bestätigt. Rückschläge sind an der Börse normal und die vergangenen mehr als zehn Jahre waren in ihrem durchgängigen Kurswachstum eher außergewöhnlich. Grundsätzlich ist vor diesem Hintergrund der Anlagehorizont für den Vermögensaufbau mit Aktien entscheidend. Langfristig orientierte Anleger dürften am Ende immer zu den Gewinnern zählen.

Das gilt auch für Phasen, in denen die Inflation ein hohes Niveau aufweist. Zur Wahrheit gehört zwar auch, dass der Aktienmarkt nicht immun gegen eine hohe Teuerungsrate ist – so büßte etwa der Dow Jones 1981 (damals stiegen die Preise im Schnitt um gut 10 Prozent) rund 10 Prozent an Wert ein. Auf längere Sicht kommt der Aktienmarkt aber auch mit einer höheren Inflation recht gut zurecht, wie folgende Tabellen zeigt. So legte der Dow Jones beispielsweise von Anfang 1980 bis Ende 1989 um rund 1.670 Punkte oder etwa 173 Prozent zu – in einem Jahrzehnt, in dem die durchschnittliche Inflation bei gut 5,8 Prozent lag.

Zeitraum          Inflationsrate                          Durchschnittliche

 

(10-Jahresdurchschnitt)        Dow-Jones-Wachstumsrate, p.a.

 

1960-1969       2,45 %                                      1,65 %

 

1970-1979       7,25 %                                      0,06 %

 

1980-1989       5,82 %                                      9,97 %

 

1990-1999       3,08 %                                      15,52 %

 

2000-2009       2,54 %                                      -0,45 %

 

2010-2019       1,75 %                                      12,52 %

 

2020-2021       2,97 %                                      14,47 %

Quelle: bls.com, investing.com, eigene Berechnung

*Der Zeitraum startet zu Beginn des jeweiligen Jahres und endet jeweils am Jahresende. Beispiel: Von Anfang 1980 bis Ende 1989 legte der Dow Jones um 9,97 % pro Jahr zu.

 

Branchen mit Schutzwesten-Funktion

Neben dem langfristigen Anlagehorizont ist auch die Zusammensetzung des Portfolios ein wesentlicher Faktor für Erfolg oder Misserfolg an der Börse. Gerade im aktuell herausfordernden Marktumfeld stellt sich für viele die Frage, welche Branchen der Inflation am ehesten Trotzen und gleichzeitig einen Wertzuwachs bieten können. Zu diesen Sektoren zählen etwa der Bereich der Konsumgüteraktien. Das Geschäft mit Nahrungsmitteln oder Hygieneartikeln, also Dingen des täglichen Bedarfs, ist weniger zyklisch. Auch defensive Branchen wie Pharma, Versicherungen und Energie zählen zu den Sektoren, die eine gewisse Schutzwesten-Funktion gegen die Inflation bieten. Grundsätzlich sollten Anleger bei der Auswahl ihrer Investition auf mindestens 3 Punkte achten:

Wie stark kann das Unternehmen seine Preise gegenüber seinen Kunden durchsetzen?

Welche Verhandlungsstärke hat das Unternehmen gegenüber seinen Lieferanten?

Wie variabel ist das Unternehmen bei Beschaffung, Produktion und Vertrieb?

Aktien schlagen auch in Zukunft das Sparbuch

Da die Analyse dieser Faktoren jedoch umfangreich ist, lohnt es sich für langfristig orientierte Anleger wohl eher in entsprechende Branchen-ETFs zu investieren. Sie streuen das Risiko und sorgen für eine Diversifizierung des Portfolios. Ein Sparplan ermöglicht es zudem, über einen längeren Zeitraum einen günstigen Durchschnittskurs (Cost-Average-Effekt) zu erzielen und beim Aufschwung entsprechend zu profitieren.

Der Vorteil von Wertpapieren liegt auf der Hand: Die Bundesbank rechnet aktuell mit über 7 Prozent Inflation in Deutschland in diesem Jahr und für 2023 mit durchschnittlich 4,5 Prozent. Die Erhöhung des Leitzinses im Juli auf mindestens 0,25 Prozent und eventuell im September um weitere 0,25 Prozent wird dazu führen, dass der Sparbuchbesitzer real 6,5 Prozent seines Vermögens verliert. So schlecht können die Börsen gar nicht laufen, dass sie nicht dennoch eine bessere Rendite erzielen als das Sparbuch. Also: In dubio pro participes – im Zweifel für die Aktie.

ÜBER DEN AUTOR

Lars Reiner ist Gründer und Geschäftsführer der digitalen Vermögensverwaltung Ginmon aus Frankfurt am Main. Zuvor war der studierte Finanzexperte als Managementberater bei der Deutschen Bank tätig. Dort leitete er verschiedene Projekte, unter anderem im Bereich des Privatkundengeschäft. Als Gründer und Vorstand des Goethe Investment Fund war Lars Reiner zudem für die Ausarbeitung von wissenschaftlichen Anlagemodellen für das Stiftungsvermögen der Goethe-Universität Frankfurt a.M. verantwortlich.

ÜBER GINMON

Das Frankfurter Unternehmen Ginmon zählt mit mehr als 250 Millionen Euro verwalteten Vermögen und mehr als 10.000 Kunden zu den führenden digitalen Vermögensverwaltern in Deutschland. Dabei wird das Anlagevermögen der Kunden in globale und breit diversifizierte Geldanlage-Strategien mit unterschiedlichen Gewichtungen der Anlageklassen investiert. Die von Ginmon eigens entwickelte Portfoliotechnologie apeiron® setzt dabei auf einen antizyklischen Investmentansatz, der langfristig höhere Renditen verspricht sowie eine einzigartige Steueroptimierung zur vollständigen Ausnutzung der Sparerpauschbeträge. Die laufende Anpassung des Algorithmus an das gewählte Risikoprofil schützt den Anleger gleichzeitig vor einer unerwünschten Risikoverschiebung innerhalb des Portfolios. Summa summarum fließen in die Anlagestrategien von Ginmon nicht nur die Wertentwicklungen von rund 12.000 Einzeltitel aus 103 Ländern ein, sondern auch Immobilien und Rohstoffe.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Ginmon GmbH, Voltastraße 31, ­60486 Frankfurt a. M., Tel.: 069-15322 7340, www.ginmon.de

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen veröffentlicht innerhalb eines FNG-Dialogs die neue Publikation “Impact in der Praxis” mit zahlreichen Praxisbeispielen zu Impact-Fonds.

 

Die dynamische Entwicklung von Impact Investments zeigt sich ebenfalls in der Vielfalt der Assetklassen: so konnten sich Aktien-, Renten-, Misch-, Immobilien- und Mikrofinanzfonds sowie Private Debt klar im Hinblick auf den beabsichtigten Impact positionieren. Die Publikation ist innerhalb der FNG-Arbeitsgruppe: Impact entstanden und schon die dritte Veröffentlichung aus der Reihe “FNG-Spezial”.

Marktvolumen von 133,7 Milliarden Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Impact Investments entwickeln sich sehr dynamisch. Dies zeigte u.a. die Markterhebung für den FNG-Marktbericht 2022: alleine für das Jahr 2021 wurde in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Marktvolumen von 133,7 Milliarden Euro ermittelt. Der strategische Stellenwert von Impactmessung und -steuerung bei der Gestaltung von Finanzprodukten wurde in diesem Jahr von 47 Prozent als wichtig und sogar von 37 Prozent als sehr wichtig eingeschätzt – dies entspricht einer weiteren Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Als größte Hürde wurden fehlende Daten und die Messbarkeit der Taxonomie identifiziert. Die aktuelle Datenlage zur Impactmessung wurde in den Bereichen Umwelt und Governance besser als im Bereich Soziales eingeschätzt.

Dr. Helge Wulsdorf, Bank für Kirche und Caritas & FNG-Vorstandsmitglied: “Impact ist strategisches Zukunftsthema für den Markt Nachhaltiger Geldanlagen. Die weitaus meisten Marktteilnehmer:innen erkennen die strategische Bedeutung sozial-ökologischer Impactmessung und -steuerung für ihre Geschäftsmodelle an. Für das FNG als Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum bedeutet dies, dass es sich bei dem Thema mit seiner Kompetenz einbringt, indem es die Definition von Impact weiter schärft und erste Markterfahrungen in Praxisbeispielen mit interessierten Akteur:innen teilt.”

Zehn Praxisbeispiele von FNG-Mitgliedern

Das gestiegene Volumen spiegelt sich auch in der Vielfalt der Assetklassen wider. Entsprechend konnten sich Aktien-, Renten-, Misch-, Immobilien- und Mikrofinanzfonds sowie Private Debt in den Praxisbeispielen klar im Hinblick auf den beabsichtigten Impact positionieren. Mit den Praxisbeispielen, die auf der FNG-Definition Impact Investments aufbauen, will das FNG zu mehr Transparenz beitragen und Informationsasymmetrien zwischen Finanzmarktteilnehmer:innen und folglich die Gefahr von Impact-Washing verringern.

Florian Sommer, Union Investment, FNG-Vorstandsmitglied & Co-Chair der FNG-Arbeitsgruppe: Impact: “Die Frage nach der Wirkung und der Wirkungsmessung von nachhaltigen Investments bekommt zunehmende Bedeutung. Deswegen hat das FNG Anfang 2021 die Arbeitsgruppe Impact ins Leben gerufen, um einen Austausch zwischen verschiedenen Stakeholdern aus der Sustainable Finance-Branche und Wissenschaft zu ermöglichen.”

Dr. Oliver Pfeil, EB-SIM & Co-Chair der FNG-Arbeitsgruppe: Impact: “Mit dieser Publikation wollen wir einen praxisnahen Beitrag zur Debatte beisteuern. Darüber hinaus bieten die Praxisbeispiele eine Unterstützung für Asset Manager und liefern einen praxisorientierten Beitrag zur akademischen Debatte über Impact Investments.”

Neue Forumspartnerschaft mit der Bundesinitiative Impact Investing

Das Engagement im Bereich Impact wird das FNG durch eine neue Forumspartnerschaft mit der Bundesinitiative Impact Investing ausbauen. Gemeinsam wollen die Verbände bei der Interessenvertretung der Mitglieder durch Politikarbeit (u.a. im Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung) neue Impulse setzen.

Sascha Görlitz, FNG-Geschäftsführer: “Impact Investments sind auf dem besten Weg in den Mainstream und erlangen durch die Regulatorik zusätzliche Dynamik. Zunehmende Bedeutung erhält folglich auch die Wirkungsmessung sowie die Schaffung von einheitlichen Standards. Mit der Bundesinitiative Impact Investing haben wir einen wichtigen Forumspartner im Bereich Impact gewinnen können, um uns für mehr Transparenz, Qualität und Wachstum von Impact Investments einzusetzen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!”

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V., Rauchstr. 11, 10787 Berlin, Tel: +49 -30 264 70 544, Fax: +49 30 262 70 04, www.forum-ng.org

Eine Analyse der UN-Berichte zu verantwortungsvollem Investieren zeigt: Die Asset Manager sind bei ihren Bemühungen, ESG-Aspekte in ihrem Geschäft zu integrieren, unterschiedlich weit vorangekommen. Umfang hat ausgewertet, welche Anbieter Vorreiter sind.

 

Scope hat untersucht, welche Fondsgesellschaften in Sachen Nachhaltigkeit besonders positiv auffallen. Dazu hat die Ratingagentur Berichte der Vereinten Nationen (UN PRI) und weitere Materialien ausgewertet, in denen die Anbieter über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen Auskunft geben. Analysiert wurden die Angaben von 30 großen internationalen Fondsgesellschaften und zwölf großen deutschen, die zusammen knapp 44 Milliarden Euro verwalten.

Für die Studie wurden insgesamt 58 Themenkomplexe betrachtet. Sie betreffen den Investmentprozess und die Unternehmensführung ebenso wie die Einflussnahme auf Portfolio-Unternehmen, um diese zu einem nachhaltigen Handeln zu bewegen (Engagement). Abhängig vom Umfang der ESG-Bemühungen wurden Punkte vergeben, die entsprechend höher ausfielen, je mehr Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt wurden.

In der Auswertung geht es ausdrücklich nicht um einzelne Fonds, sondern um die Häuser als Ganzes. Die Analyse zeigt auf, wie stark das Thema Nachhaltigkeit die Gesellschaften durchzieht, wie sehr es von ihnen gelebt wird.

Das beste Ergebnis erzielt der US-Anbieter Federated Hermes. Er konnte in den meisten der 58 Themenkomplexe überzeugen. Eine hohe Punktzahl erreicht auch Candriam auf Platz zwei. Die weiteren Gesellschaften, die in Sachen ESG-Integration vorbildlich auftreten, liegen eng beieinander. Mit knappen Vorsprung auf Rang 4 sichert sich das Fondshaus Neuberger Berman den dritten Podestplatz.

Die Auswertung zeigt: Eine makellose ESG-Integration gelingt keinem der analysierten Anbieter. Dazu sind die von Scope gesetzten Anforderungen, in insgesamt 58 Themenkomplexen umfangreiche Nachhaltigkeitsbemühungen zu zeigen, zu hoch. Einige große Gesellschaften befinden sich jedoch auf einem guten Weg und können sicher sein, dass sie mit den wachsenden Anforderungen ein nachhaltiges Investieren Schritt halten können. Sie haben ihre ESG-Integration weit vorangetrieben.

Klar wird aber auch: Unter den großen Anbietern, die an dieser Stelle analysiert wurden, gibt es Vorreiter und Nachzügler und das Thema Nachhaltigkeit ist nicht überall gleich gut angekommen. Anleger, die Fondshäuser mit einer hohen ESG-Integration suchen, erhalten durch die Auswertung valide Hinweise, bei welchen Adressen sie fündig werden könnten.

Fragen nach dem Ausmaß der Nachhaltigkeitsbemühungen haben unter dem Eindruck der jüngsten zunehmenden Vorwürfe, die Gesellschaften würden sich „grüner“ darstellen als sie sind, noch einmal an Bedeutung gewonnen. Wenn immer mehr Anbieter – egal, ob aus Deutschland oder aus Übersee – beschuldigt werden, würden sie Greenwashing betreiben, zeigt dies, wie dringlich und relevant ein Blick auf die ESG-Integration eines Asset Managers ist.

Großer Asset Manager mit hoher ESG-Integration

Klingelte        Punkte Fondsgesellschaft

1        101     Föderierter Hermes

2        99      Candriam

3        90      Neuberger Bermann

4        89      Robeco

5        87      HSBC Global AM

6        86      AllianceBernstein

86      AXA IM

8        83      Amundi

9        82      Union Investment

10      71      Franklin Templeton Investments

Maximalpunktzahl: 116 (58 Themenkomplexe bewertet mit bestenfalls zwei Punkten)

 

Zum  DOWNLOAD  der Studie.  https://www.scopegroup.com/dam/jcr:ec26ac2c-c8ad-432e-8025-c5448d9a2a14/Scope%20ESG-Integrationsstudie%202022.pdf

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Scope Analysis GmbH, Lennéstraße 5, D-10785 Berlin, Tel: +49 30 27891-0, Fax: +49 30 27891-100, www.scopeanalysis.com

Kommentar von Maarten-Jan Bakkum, Senior Emerging Markets Strategist bei NN Investment Partners

 

Unsere quantitativen Aktienindikatoren haben ihre höchstmöglichen Negativwerte erreicht

Die Märkte haben den jüngsten Kurswechsel der Fed und der EZB schnell eingepreist: Die Renditen von Staatsanleihen sind in die Höhe geschnellt, die Credit Spreads haben sich ausgeweitet und die Aktienkurse sind in den letzten Wochen stark gefallen. Die Renditen und Spreads befinden sich auf einem Mehrjahreshoch, und die Aktienkurse liegen weltweit 20 % unter ihrem Höchststand vom Dezember. Also muss die Inflation weiter steigen und das Wirtschaftswachstum enttäuschen, damit die Märkte weiter fallen. Da die Arbeitsmärkte jedoch immer noch angespannt sind und sich der Konflikt in der Ukraine noch lange nicht beruhigt, dürfte die Inflation ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben. Das erschwert es den Zentralbanken, ihren hawkishen Kurs zu lockern. Und da die wichtigsten wirtschaftlichen Indizes überraschend zurückgehen, sollten wir uns auf eine deutliche Wachstumsabschwächung einstellen. Unseres Erachtens hat sich das Rezessionsrisiko in den USA und insbesondere in der Eurozone erhöht, wo die Energiekrise die Kaufkraft der Haushalte stark beeinträchtigt. Da die Gewinnerwartungen der Unternehmen die düsteren Wachstumsaussichten nicht ausreichend widerspiegeln, haben wir Aktien weltweit untergewichtet.

Untergewichtung in globalen Aktien

Die Gewinnprognosen scheinen zu optimistisch zu sein. Und die Analysten erwarten eine Steigerung des Gewinnwachstums in der zweiten Jahreshälfte 2022. Darüber hinaus sind die KGV-Multiplikatoren im Vergleich zu früheren Markttiefstständen nicht günstig. Und im Vergleich zu den Anleiherenditen sind die Aktienbewertungen trotz des jüngsten Kursrückgangs alles andere als attraktiv. Natürlich ist nach einem Rückgang von 20 % immer Raum für eine Erholung. Aber da unsere quantitativen Indikatoren, die sowohl auf Verhaltens- als auch auf Fundamentaldaten beruhen, den höchstmöglichen negativen Wert aufweisen, sehen wir für Aktien in den kommenden Monaten mehr Abwärts- als Aufwärtspotenzial. Aus diesem Grund haben wir globale Aktien untergewichtet.

Schwellenländeraktien halten sich gut – vorerst

Eine der bemerkenswertesten Aktienentwicklungen der letzten Zeit ist die Stabilität der Schwellenländer. Normalerweise geraten Aktien der Schwellenländer in Zeiten aggressiver geldpolitischer Straffung und zunehmender Risiken für das globale Wachstum in Bedrängnis. Doch in den letzten Wochen haben sie die Industriemärkte leicht übertroffen. Wir sehen dafür fünf Gründe.

Erstens scheint die Wachstumsdynamik der Schwellenländer stärker zu sein als die der Industrieländer. Dies ist vor allem auf die Erholung Chinas nach den dramatischen Einbrüchen infolge der Lockdowns im April und Mai zurückzuführen.

Zweitens scheint die Inflation in den Schwellenländern ihren Höhepunkt bereits überschritten zu haben, während sie in den USA und Europa weiter ansteigt. Dies lässt sich durch die schwache Nachfrage in den Schwellenländern erklären, die durch die aggressive Straffung der Geldpolitik verursacht wurde.

Drittens haben die Zentralbanken in den Schwellenländern bereits Anfang 2021 mit Zinserhöhungen begonnen, und einige dürften ihre Straffungszyklen in den kommenden Monaten beenden. Im Gegensatz dazu verstärken die Fed und die EZB ihre geldpolitische Straffung weiterhin.

Viertens profitieren derzeit einige Länder, die normalerweise unter steigenden Zinsen in den USA und Europa leiden, von hohen Rohstoffpreisen. Dies ist einer der Hauptgründe, warum die Währungen der Schwellenländer seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine nicht stark nachgegeben haben.

Und fünftens ist das geringe ausländische Eigentum an Schwellenländeranleihen in lokaler Währung zu nennen, bei denen ausländische Investoren seit über zehn Jahren ihre Positionen allmählich abbauen. Dies erklärt, warum die Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern in letzter Zeit überschaubar waren, und ist ein weiterer Grund, warum die Schwellenländerwährungen nicht abverkauft wurden.

Das heißt allerdings nicht zwangsläufig, dass die Aktien der Schwellenländer weiterhin besser abschneiden werden. Sollten die US-Zinsen weiter steigen, wird es irgendwann zu einer größeren Kapitalflucht aus den Schwellenländern kommen. Und sollte das Rezessionsrisiko in den USA und Europa weiter zunehmen, müssten die Anleger einen starken Rückgang des Welthandels einpreisen. Dies würde sich erheblich auf Märkte wie Südkorea, Taiwan und Mexiko auswirken, auf die 30 % des Aktienuniversums der Schwellenländer entfallen.

Und dann ist da noch China, das sich in letzter Zeit aufgrund der Wiedereröffnung, neuer Maßnahmen zur Stimulierung des Wohnungsmarktes und des Optimismus der Anleger, dass die Regierung ihr regulatorisches Vorgehen gegen den Technologiesektor beenden wird, gut entwickelt hat. Wir gehen davon aus, dass sich China schnell von dem starken Abschwung erholen wird, der durch die jüngsten Lockdowns verursacht wurde. Wir sind jedoch nach wie vor nicht davon überzeugt, dass die Regierung den Druck auf die großen Unternehmen, die sie für zu mächtig hält, reduzieren wird. Für uns sind die hohen regulatorischen Risiken und die sich verschlechternden Beziehungen zum Westen die Hauptgründe, die Prognosen für den chinesischen Aktienmarkt weiterhin zurückhaltend zu beurteilen.

Untergewichtung im globalen Immobiliensektor

Außerdem haben wir den globalen Immobiliensektor untergewichtet. Da die Zentralbanken deutlich hawkisher geworden sind und die Inflation wahrscheinlich weiter steigen wird, kann der Immobiliensektor nicht mit niedrigeren Zinsen rechnen. Darüber hinaus ist die Bewertung von Immobilien im Vergleich zu den Renditen von Unternehmensanleihen nach wie vor unattraktiv. Die Gewinnrendite von Immobilien im Verhältnis zur Rendite 10-jähriger Staatsanleihen liegt unter ihrem langfristigen Durchschnitt und ist auf dem niedrigsten Stand seit 2008 (siehe Abbildung).

Gleichzeitig liegt das Forward P/E des MSCI Real Estate mit 27 immer noch über seinem 10-Jahres-Durchschnitt von 24. Das erwartete Gewinnwachstum des globalen Immobiliensektors ist mit +3 % insgesamt niedrig, mit -4 % für die USA und +8 % für Europa. Die Erwartungen für Europa dürften jedoch aufgrund des sich abschwächenden Wachstums stark zurückgehen, obwohl Anleger in europäischen Immobilien immer noch übergewichtet sind. Der Sektor ist in letzter Zeit stärker unter Druck geraten, da Bauunternehmer in Europa begonnen haben, Projekte aufgrund hoher Rohstoffkosten zu verschieben, und die Bankkreditstandards sowohl in Europa als auch in den USA verschärft wurden.

Untergewichtung in italienischen Staatsanleihen beendet

Nach der Pressekonferenz der EZB am 9. Juni 2022 haben wir die Untergewichtung italienischer Staatsanleihen beendet. Eine knappe Woche später, nachdem sich die Spreads italienischer Anleihen gegenüber Bundesanleihen um 40 Basispunkte ausgeweitet hatten, kündigte die EZB eine Dringlichkeitssitzung an, um Maßnahmen zur Reduzierung des Fragmentierungsrisikos in der Eurozone zu diskutieren. Die wichtigsten Ergebnisse waren eine größere Flexibilität bei der Reinvestition von Beständen aus dem Pandemie-Notkaufprogramm in Peripherieländer und die Ankündigung, dass die Arbeit an einem neuen Instrument, das in Zeiten übermäßiger Spread-Ausweitung eingesetzt werden soll, beschleunigt worden sei. Obwohl nicht klar ist, welche Art von Liquiditätssicherung eingeführt wird und unter welchen Bedingungen künftige Interventionen stattfinden werden, hat der Markt das Sitzungsergebnis als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gewertet. Dies spiegelte sich darin wider, dass sich die italienischen Spreads wieder auf unter 200 Basispunkte verengten, wo sie vor dem 9. Juni lagen. Wir haben unsere Position auf demselben Niveau geschlossen, auf dem wir sie eröffnet hatten.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

NN Investment Partners B.V., German Branch, Westhafenplatz 1, 60327 Frankfurt am Main, Tel. + 49 69 50 95 49-15, www.nnip.com

Während Rezessionsängste und eine straffere Zentralbankpolitik die Marktvolatilität zur Jahresmitte 2022 angetrieben haben, erwarten die Strategen von Russell Investments, dass die Kerninflation in den USA wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht hat.

 

Die Märkte könnten sich stabilisieren und in der zweiten Jahreshälfte möglicherweise erholen.

„Anfang 2022 war unklar, wie weit die Inflation ansteigt, wie entschlossen die Zentralbanken reagieren und ob Russland eine Invasion in der Ukraine beginnt. Der Krieg ist nun Realität, die Kerninflation scheint in den USA ihren Höhepunkt zu erreichen und die Märkte rechnen mit relativ aggressiven Straffungsmaßnahmen der meisten Zentralbanken”, so Andrew Pease, Global Head of Investment Strategy bei Russell Investments. „All diese Faktor sollten Marktteilnehmer inzwischen in ihre Perspektiven eingepreist haben.“

Gemäß dem Russell Investments Composite Sentiment Index, der die Anlegerstimmung des S&P 500® Index misst, sind die Märkte zur Jahresmitte stark überverkauft. Die Russell-Investments-Strategen folgern daraus, dass die Märkte die schlechten Nachrichten inzwischen eingepreist haben und dass sie sich erholen könnten, wenn Inflations- und Wachstumszahlen besser als derzeit befürchtet ausfallen. „Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass die Anleger in Panik geraten und ihre Assets auf breiter Front verkaufen. Die Lektion aus früheren Marktkorrekturen lautet jedoch, dass Zeiten der Panik die besten Chancen für längerfristige Anleger bieten können”, so Pease.

Wie sich die US-Wirtschaft entwickelt, ist Pease zufolge der größte Unsicherheitsfaktor für den globalen Ausblick. Er erwartet, dass Tempo und Ausmaß der Straffung durch die Fed das Risiko einer Rezession in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 mit sich bringen könnten. Auch, wenn sich eine tiefe Rezession und ein größerer Bärenmarkt nicht ausschließen lassen, sind eine Verlangsamung oder eine leichte Rezession wahrscheinlichere Szenarien. Das Aufwärtsszenario für die US-Wirtschaft und die Märkte ergibt sich aus der Möglichkeit, dass die Kerninflation in den USA ihren Höhepunkt erreicht hat. In Verbindung mit einer Abschwächung des Arbeitsmarkts könnte dies die Fed dazu veranlassen, in der zweiten Jahreshälfte weniger aggressiv zu agieren.

In Europa besteht das größte Risiko darin, dass Russland auf das Öl-Embargo der Europäischen Union mit einem Stopp der Gaslieferungen in die Region reagiert. „Die starke Abhängigkeit Europas von russischem Gas bedeutet, dass Vergeltungsmaßnahmen und ein starker Anstieg der Gaspreise die Region mit ziemlicher Sicherheit in eine Rezession stürzen würden”, so Pease.

Das Zyklus-, Value- und Sentiment-Analysesystem von Russell Investments zur Jahresmitte 2022 zeigt an, dass eine zu pessimistische Haltung riskant sein könnte. Die Stimmung wird als extrem überverkauft und auf einem Niveau bewertet, das zuletzt während der Corona-Marktpanik im März 2020 erreicht wurde. Das System stuft US-Staatsanleihen als günstig ein. Aktienbewertungen seien hingegen infolge der aktuellen Unsicherheiten in Bezug auf Gewinnspannen und Kurs-Gewinn-Verhältnisse schwieriger zu prognostizieren.

Die Russell-Investments-Strategen fassen ihre Präferenzen für Anlageklassen zur Jahresmitte wie folgt zusammen:

– Nicht-US-Aktien aus Industrieländern ziehen die Analysten gegenüber US-Aktien vor, da sie relativ günstiger bewertet sind und von einer Schwächung des US-Dollars profitieren könnten, falls die Fed weniger aggressiv als erwartet agiert.

– Schwellenländer-Aktien können sich erholen, wenn China deutliche Konjunkturimpulse gibt, die Fed das Tempo der Straffung verlangsamt, die Energiepreise nachgeben und der US-Dollar schwächer wird. Aktuell bewerten die Analysten Schwellenländer-Aktien neutral.

– High-Yield- und Investment-Grade-Anleihen beginnen sich zu erholen. Die Renditenaufschläge liegen über ihren langfristigen Durchschnittswerten. Die Spreads werden weiterhin unter Aufwärtsdruck stehen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA steigt und der Russland/Ukraine-Konflikt eskaliert. High-Yield- und Investment-Grade-Anleihen dürften sich gut entwickeln, wenn die Fed weniger aggressiv agiert und eine weiche wirtschaftliche Landung wahrscheinlich wird. „Wir haben derzeit einen neutralen Ausblick für die Kreditmärkte, können aber uns vorstellen, positiver zu werden, wenn eine Rezession in den USA unwahrscheinlicher wird”, so Pease.

– Die Bewertungen von Staatsanleihen haben sich nach dem Renditeanstieg verbessert. US-Anleihen sind jetzt gut bewertet, während japanische, deutsche und britische Anleihen immer noch etwas teuer sind. „Positiv für Staatsanleihen ist, dass die Märkte Straffungen der meisten Zentralbanken vollständig eingepreist haben, was das Ausmaß eines weiteren Ausverkaufs begrenzen dürfte”, so Pease.

– Real Assets: Globale Listed Infrastructure (GLI) war in diesem Jahr bisher die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklungen, da sie von Engagements im Energiesektor profitierte. Hingegen haben Real Estate Investment Trusts mehr als 20 Prozent verloren. Beide Anlageklassen dürften profitieren, wenn der Russland/Ukraine-Konflikt nachlässt und die Inflationssorgen anhalten, wobei GLI dann einen Teil der Gewinne aus der Energieinfrastruktur wieder abgeben dürfte.

– Rohstoffe waren die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung und die einzige, die eine positive Rendite erzielte. Energie- und Agrarpreise sind aufgrund des Russland/Ukraine-Konflikts in die Höhe geschossen. Wir erwarten, dass ein Teil dieser Gewinne wieder abschmelzen, wenn der Konflikt nachlässt. Ein Risiko für Rohstoffmärkte besteht darin, dass sich die chinesische Wirtschaft weiter verlangsamt. Alles in allem erwarten die Analysten, dass es nach wie vor Argumente für Rohstoffengagements gibt. Ein schwächeres Wachstum im Zuge einer strafferen Zentralbankpolitik wird die Nachfrage jedoch dämpfen.

– Der US-Dollar hat 2022 infolge der Fed-Politik und der Attraktivität als sicherer Hafen während des Russland/Ukraine-Konflikts zugelegt. Die Russell-Investments-Analysten erwarten, dass er sich abschwächen sollte, wenn der Russland/Ukraine-Konflikt nachlässt und wenn niedrigere Inflationsraten im weiteren Jahresverlauf zu einer geringeren Straffung der Fed führt, als die Märkte dies derzeit erwarten. Die Hauptnutznießer dürften der unterbewertete Euro und der japanische Yen sein, der aufgrund der Rohstoffpreisinflation und Wachstumssorgen in China an Wert eingebüßt hat.

Das Update des 2022 Global Market Outlook zum dritten Quartal finden Sie unter: https://russellinvestments.com/uk/global-market-outlook

Über Russell Investments

Russell Investments ist ein führender globaler Anbieter von Anlagelösungen, der institutionellen Anlegern, Finanzintermediären und Privatanlegern weltweit eine breite Palette von Anlagemöglichkeiten bietet. Mit einer 86-jährigen Tradition kontinuierlicher Innovationen arbeitet Russell Investments stetig daran, die finanzielle Sicherheit der Kunden zu verbessern und ihnen einen Mehrwert zu bieten. Das Unternehmen verwaltet für Kunden in 32 Ländern ein Vermögen von 293,2 Milliarden Euro (Stand: 31.3.2022). Russell Investments hat seinen Hauptsitz in Seattle, Washington, und unterhält Niederlassungen in 19 Städten weltweit, darunter in New York, London, Toronto, Tokio und Shanghai.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Russell Investments Limited, Rex House, 10 Regent Street, London SW1Y 4PE, Tel: +44 (0)20 7024 6000, www.russelinvestments.com

Gewinnerwartungen im Energiesektor gestiegen, bei Konsum gefallen – Preissetzungsmacht wird entscheidend für Aktienentwicklung – Trotz attraktiverer Bewertungen noch zu früh für Aktienübergewichtung

 

Aktien haben seit Jahresbeginn starke Kursverluste erlitten. Nach Ansicht von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, sind diese allerdings eher auf sinkende Bewertungen als auf einen Rückgang der Gewinnerwartungen zurückzuführen. Das mag angesichts der Rekordinflation und Unsicherheit im Markt überraschen, die Geschichte zeigt laut dem Experten jedoch, dass eine vorübergehende Abkopplung zwischen Wirtschaftswachstum und Gewinnwachstum nicht ungewöhnlich ist. „Das Gewinnwachstum beschleunigte sich beispielsweise weiter, als sich die Wirtschaft im Zuge der Dotcom-Pleite 2001 und der globalen Finanzkrise 2008 schon verlangsamte. Dieser Trend hielt jedoch nur wenige Monate an“, sagt Tilmann Galler. Bei den Unternehmen gelte es nun, noch genauer hinzuschauen – insbesondere diejenigen, die mit ihren Produkten auf Gruppen mit niedrigerem Einkommen fokussiert sind, stünden nun besonders im Risiko.

Gewinnerwartungen im Rohstoffsektor gestiegen, bei Konsumunternehmen gefallen

Nach Analyse von Ökonom Tilmann Galler sind die Bewertungen für Aktien aus Industrieländern von fast dem 20-fachen der erwarteten 12-Monats-Gewinne zu Beginn des Jahres auf etwa das 15-fache Ende Mai gefallen. Im gleichen Zeitraum wurden die Gewinnwachstumserwartungen für 2022 trotz der Verschlechterung der Wirtschaftsaussichten sogar von 7 auf über 10 Prozent angehoben.

Ein genauerer Blick auf die globalen Branchen hilft laut Galler Galler, einen Teil der Widerstandsfähigkeit der Gewinnerwartungen in diesem Jahr zu erklären. „Steigende Energiepreise und der Nachfrageanstieg nach Öl haben dazu geführt, dass die Erwartungen für das Gewinnwachstum des globalen Energiesektors um beachtliche 60 Prozentpunkte angehoben wurden. Generell waren Rohstoffunternehmen die Nutznießer der inflationären Entwicklung der letzten Monate. Umgekehrt wurden die Gewinnerwartungen der Konsumunternehmen um mehr als 10 Prozentpunkte gekürzt, da die Befürchtungen über einen Rückgang der verfügbaren Einkommen der Verbraucher zunahmen“, erklärt der Kapitalmarktexperte.

Gewinnerwartungen nahe dem Höchststand

Die Gewinnerwartungen sind nach Einschätzung von Tilmann Galler nahe dem Höchststand. Das Verhältnis der Gewinnrevisionen – ein Maß für die Anzahl der Heraufstufungen im Vergleich zu den Herabstufungen durch Analysten – nähere sich nun dem negativen Bereich. „Es ist vielleicht nicht überraschend, dass die Markterwartungen einige Zeit brauchen, um sich an die Realität anzupassen, denn Analysten extrapolieren Wachstum gern linear in die Zukunft. Zahlreiche ‚Covid-19-Gewinner‘ mussten jüngst von einer schwächeren Nachfrage berichten, da die Verbraucher zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren. Die Gewinne der Pandemie-Gewinner wurden also systematisch überschätzt, weshalb die Gewinnerwartungen jetzt nach unten revidiert werden“, stellt Galler fest.

Verhalten niedriger Einkommensgruppen wichtig für Margenprognosen

Der seit Jahresbeginn verzeichnete Rückgang bei den Aktien der Industrieländer scheine nun ein Ausmaß an Gewinnrückgänge einzupreisen, die während milder Rezessionen in der Vergangenheit erlebt wurden. Doch wie umfangreich dürften die Gewinnherabstufungen diesmal sein? „Die Widerstandsfähigkeit der Unternehmensmargen ist entscheidend“, ist Experte Galler überzeugt. Die Ausgangsbasis für Margen sei sowohl in den USA als auch in Europa sehr hoch, da Unternehmen den Anstieg der Inputkosten nach COVID bewältigt haben, indem sie höhere Kosten an ihre Kunden weitergaben. „Doch Lieferkettenengpässe und steigende Lohnkosten dürften bereits 2022 Druck auf die Unternehmenskosten ausüben. Russlands Invasion in der Ukraine hat dem Mix einen Energieschock hinzugefügt. Die Preissetzungsmacht wird in Zukunft ein entscheidender Faktor für die relative Wertentwicklung der Aktien sein“, sagt Galler.

Konsumunternehmen, die empfindlicher auf Ausgaben von Gruppen mit niedrigerem Einkommen reagierten, stünden nun besonders im Risiko. Der starke Rückgang mehrerer US-Einzelhandelsaktien im vergangenen Monat nach düsteren Margenprognosen habe deutlich gemacht, dass es die unteren Einkommensgruppen sind, die die Preiserhöhungen besonders zu spüren bekommen und ihr Konsumverhalten ändern. Rohstoff- und Energieunternehmen oder Unternehmen mit Produkten für den täglichen Bedarf hingegen hätten eine höhere Preissetzungsmacht und damit mehr Gewinnstabilität.

Noch zur früh für Aktienübergewichtung

„Die Gewinnerwartungen brauchen zwar immer etwas Zeit, um die Entwicklung der Wirtschaft widerzuspiegeln, doch fällt die Verzögerung in diesem Jahr angesichts der einzigartigen Umstände der Pandemie ausgeprägter aus“, fasst Tilmann Galler zusammen. „Wir rechnen zwar mit bevorstehenden Herabstufungen durch die Analysten, aber die Marktbewegungen stehen bereits im Einklang mit einer leichten Verlangsamung der Gewinne. Dennoch ist es nach unserer Einschätzung zu früh für ein Aktienübergewicht, obwohl die Bewertungen attraktiver geworden sind. Denn sollte es den Zentralbanken nicht gelingen, die Inflation einzufangen und eine weiche Landung der Wirtschaft herbeizuführen, drohen Gewinne und Margen weiter zu fallen“, erklärt Galler.

Tilmann Galler, Executive Director, CEFA/CFA, arbeitet als globaler Kapitalmarktstratege für die deutschsprachigen Länder bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Als Teil des globalen „Market Insights“-Teams erstellt und analysiert er auf Basis von umfangreichem Research Informationen rund um die globalen Finanzmärkte und leitet Implikationen für Investmentstrategien ab. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Finanzbranche und war zuvor unter anderem auch als Portfolio Manager tätig. www.jpmorganassetmanagement.de/deu/marketinsights

 

Verantwortlich für den Inhalt:

J.P.Morgan Asset Management, (Europe) S.á.r.l. , Frankfurt Branch, Junghofstraße 14, ­60311 Frankfurt Tel.: 069/71240, Fax: 069/71242180, www.jpmam.de

Die Inflationsraten steigen, die Notenbanken halten mit Zinserhöhungen dagegen und manche Experten sehen die Wirtschaft deshalb in eine Rezession abgleiten.

 

„Investoren in Erneuerbare Energien schreckt ein solches Szenario überhaupt nicht“, sagt Markus W. Voigt, CEO der aream Group. „Im Gegenteil sind Investments in grüne Energie eine der besten Möglichkeiten, Inflation und Rezession zu entgehen.“

So ist der Strombedarf einer Volkswirtschaft nur bedingt abhängig von der Konjunktur. „In der Vergangenheit zeigte sich, dass der Rückgang des Stromverbrauchs immer geringer ausfiel als der Rückgang bei der Wirtschaftsleistung“, sagt Voigt. „Der Bedarf sowohl auf privater wie auf öffentlicher Seite ist fast stabil, auch im Abschwung.“ Krankenhäuser etwa benötigen Strom, egal wie die Wirtschaft läuft.

Insofern trotzen auch die Erträge aus den Investitionen in Erneuerbare Energien dem Abschwung. „Und das umso mehr, da die Anlagen und auch das Produkt, der grüne Strom, derzeit knappe Güter darstellen“, sagt Voigt. „Die Nachfrage ist bei beiden jeweils deutlich höher als das Angebot.“ Und knappe Güter waren immer schon ein gutes Mittel gegen Inflation.

Zu erwarten ist, dass sich der Preis für grünen Strom, sofern er überhaupt auf den Markt kommt, vom Preis konventionellen Stroms abkoppeln und deutlich darüberliegen wird. „Da sowohl Unternehmen wie auch die öffentliche Hand derzeit auf allen Ebenen ihren ökologischen Fußabdruck verringern, wird der Bedarf noch über Jahrzehnte steigen“, so Voigt.

Ähnliches gilt auch für die Anlagen: „Angesichts des enormen Bedarfs und des schleppenden Ausbaus sind bestehende Anlagen für Investoren eine sehr sichere Bank“, sagt Voigt. „Kommen überhaupt einmal Anlagen in den Verkauf, werden sie mit sehr hohen Werten gehandelt.“

Hierbei unterscheiden sich Solar- oder Windparks fundamental von Immobilien. „Bei Immobilien raten viele mittlerweile zur Zurückhaltung“, sagt Voigt. „Nicht nur, dass sich hier in den vergangenen Jahren eine Preisblase gebildet hat.“ Auch seien die Immobilienpreise sehr zinsabhängig, was sich bei steigenden Zinsen in deutlichen Abschlägen bemerkbar macht. „Zudem trifft eine Rezession auch die Nutzer der Immobilien“, so Voigt. „Unternehmen und private Haushalte werden in höherem Maße nicht mehr in der Lage sein, sehr hohe Mieten zu tragen.“ Das erhöht den Druck auf die Immobilienrenditen zusätzlich.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

AREAM GmbH, Kaistraße 2, 40221 Düsseldorf, Tel: +49 (0)211 30 20 60 42, www.aream.de

Union Investment bietet seit dem 1. Juli den Aktienfonds „UniThemen Aktien“ an. Mit dem Fonds können Anlegerinnen und Anleger weltweit in Themen, Trends und Unternehmen der Zukunft investieren und damit auf strukturelle Wachstumsfelder setzen.

 

Der „UniThemen Aktien“ investiert in die Themen von morgen. Der Anlageschwerpunkt liegt dabei auf Aktien von Unternehmen, die in zukunftsrelevanten Wachstumsbranchen eine wichtige Rolle spielen und innovative Lösungen entwickeln. Dazu gehören beispielsweise Firmen aus den Bereichen Infrastruktur, Mobilität, Gesundheitswesen, Konsum und Umweltschutz. „Der immense Investitionsbedarf in Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Klimawandel oder Trinkwasserversorgung bietet Anlegerinnen und Anlegern jetzt gute Chancen, am langfristigen Wachstum teilzuhaben“, sagt Ann-Katrin Ruhnow, Portfoliomanagerin des „UniThemen Aktien“.

Die Zukunftsthemen und dazu passende Aktien für das Portfolio werden im Rahmen eines mehrstufigen Investmentprozesses ausgewählt. Dabei wird als erstes ein Pool von Themen zusammengestellt. Im nächsten Schritt werden für jedes Thema die unter wirtschaftlichen Aspekten attraktivsten Unternehmen identifiziert. Danach bewertet das Fondsmanagement die Themen anhand von verschiedenen Kriterien, wie etwa Wachstumsaussichten, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Qualität der Geschäftsmodelle oder Kapitalmarktrelevanz und wählt die fünf bis sechs zukunftsträchtigsten Kernthemen aus. „Die Favoriten von heute müssen nicht die Favoriten von morgen sein“, sagt Ruhnow. Daher werden die selektierten Themen und Aktien kontinuierlich überprüft und an aktuelle Entwicklungen und Einschätzungen angepasst.

Das Fondsvermögen kann sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern angelegt werden. Die internationale Ausrichtung des Fonds bietet neben der Chance auf Kurssteigerungen auch die Möglichkeit von Wechselkursgewinnen.

Der „UniThemen Aktien“ eignet sich für Anlegerinnen und Anleger, die ihre Renditechancen mit einer Anlage in Zukunftsthemen steigern möchten und gleichzeitig höhere Risiken akzeptieren. Ihr Anlagehorizont sollte dabei sechs Jahre oder länger betragen. Der Einstieg kann sowohl über eine Einmalinvestition als auch mit einem Sparplan erfolgen.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Union Asset Management Holding AG, Weißfrauenstraße 7, Tel: 069-2567-264160311, Frankfurt am Main, www.union-investment.de

Immer mehr Kunden wünschen klimafreundliche Investmentlösungen. Als aktive Strategie strebt der L&G Net Zero Global Corporate Bond Fund langfristige Erträge, Netto-Null-Emissionen und Verbesserungen bei ESG-Ergebnissen an.

 

Legal & General Investment Management (LGIM), einer der weltweit größten Vermögensverwalter, hat den L&G Net Zero Global Corporate Bond Fund aufgelegt. Der Fonds richtet sich an institutionelle Anleger und Vermögensverwalter in Großbritannien und Europa. Ziel des Fonds ist es, über ein breit diversifiziertes Universum globaler Unternehmensanleihen eine langfristige Mehrrendite zu erzielen und dabei bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Darüber hinaus sollen Dekarbonisierungsziele für ein besseres Temperature Alignment des Portfolios sorgen sowie die langfristigen Ergebnisse durch eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Portfolio-Unternehmen verbessert werden.

Der L&G Net Zero Global Corporate Bond Fund verfolgt einen progressiven Ansatz, um die Intensität der CO2- Emissionen zu reduzieren – den sogenannten „Pfad“ des Fonds zu Netto-Null. Dazu werden zum einen das Klimarisiko innerhalb des Portfolios sowie dessen Klima-Anpassung gemessen, zum anderen Erkenntnisse aus den Energiewende-Szenarien des LGIM-eigenen Klimarisiko-Frameworks „destination@risk“ genutzt. Oberstes Ziel ist es, bis 2030 eine Temperaturanpassung von 1,5°C und bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Der Fonds wird von den Co-Managern Matthew Rees und Enda Mulry geleitet.

Die Fondsmanager nutzen gezielt die Größe und den Einfluss von LGIM, um Unternehmen und politische Entscheidungsträger im Rahmen des „Climate Impact Pledge“ einzubinden. Dabei handelt es sich um ein Programm zur Zusammenarbeit mit den größten Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die für die Erreichung der ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens als entscheidend gelten.

Matthew Rees, Head of Global Bond Strategies, Legal & General Investment Management: „Auf ihrer Suche nach Rendite achten die Anleger auf ein gut diversifiziertes globales Universum von Unternehmensanleihen, das ihnen eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet. Gleichzeitig wollen sie in Portfolios investieren, mit denen sie sowohl Netto-Null-Emissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen als auch bessere ESG-Ergebnisse erzielen können.

Dieser Fonds ist speziell dafür entwickelt worden, um Investoren dabei zu unterstützen, nicht nur Alpha zu generieren, sondern auch ihre Klima- und ESG-Ziele zu erreichen.“ Der Anlageprozess des Fonds wird durch die Global Research & Engagement Groups (GREGs) von LGIM getragen, in denen die Aktien-, Kredit- und Investment-Stewardship-Teams des Unternehmens zusammenarbeiten. Ziel der GREGs ist es, ESG-Risiken zu identifizieren, die die Nachhaltigkeit der Erträge gefährden können. Diese sollen deshalb in die Analyse der Unternehmensanleihen sowohl auf Sektor- als auch Emittenten-Ebene integriert sowie in LGIM‘s Engagement-Aktivitäten einbezogen werden.

Volker Kurr, Head of Europe Institutional, Legal & General Investment Management: „Anleger sehen sich heute mit einer großen Anzahl von Produkten konfrontiert, die einen Fokus auf Klima- und ESG-Ergebnisse legen. Nach unserer Einschätzung ist dieser Fonds jedoch einzigartig, denn er verfolgt einen klaren Weg zu Netto-NullEmissionen, wobei unser eigenes Klima-Research als Rahmenwerk dient. Zudem erweist sich unser Engagement mit den Portfolio-Unternehmen und die Arbeit der GREGs zur Anhebung von sozialen und Governance-Standards als hilfreich.“

Bei seinen Anlagen orientiert sich der Fonds an der LGIM-eigenen „Future World Protection List“ und legt damit eine hohe Messlatte für Unternehmen, die in das Portfolio aufgenommen werden wollen. Darüber hinaus nutzt der Fonds das LGIM-eigene Bewertungsverfahren für die UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG). Damit wird bewertet, wie nachhaltig die Ertragsgenerierung und Geschäftspraktiken der Emittenten auf lange Sicht sind. Emittenten, die im Widerspruch zu einem oder mehreren SDGs agieren, werden aus dem Portfolio ausgeschlossen.

Philipp von Königsmarck, Head of Wholesale Sales Germany, Austria & Luxembourg, Legal & General Investment Management: „Wir freuen uns sehr, dieses Investmentangebot auf den Markt zu bringen. Der Fonds verknüpft unsere Expertise im aktiven Management von Anleiheportfolios mit unserer Führungsrolle bei KlimaInvestments und verantwortungsbewusster Anlage.“

Der L&G Net Zero Global Corporate Bond Fund ist als SICAV erhältlich. Er ist in Deutschland, im Vereinigten Königreich, Irland, Luxemburg, Finnland, Italien, Norwegen und Schweden registriert. Die laufenden Kosten (Ongoing Charges Figure, OCF) für den Fonds betragen 0,41 %.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Legal & General Deutschland, Service­GmbH, Richmodstr. 6, 50667 Köln, Tel: 0221/92042­225, Fax: 0221/92042­301, www.legal­and­general.de

von Axel D. Angermann, FERI

 

Inflationsbekämpfung hat vorerst absolute Priorität

Erstmals seit 20 Jahren wieder Zielkonflikt zwischen Inflations- und Vollbeschäftigungsziel

Geldpolitik wird langfristig höhere Inflationsraten tolerieren

Dass die amerikanische Notenbank Fed der Bekämpfung der hohen Inflation absolute Priorität einräumt und zu weiteren drastischen Zinsanhebungen in den kommenden Monaten bereit ist, war überfällig und angesichts einer Inflationsrate von mehr als 8 Prozent in den USA nicht überraschend. Dennoch markieren die Beschlüsse und die verbalen Einlassungen verschiedener Mitglieder des Federal Open Market Committee (FOMC) eine Zäsur in der Geldpolitik: Erstmals seit mindestens zwanzig Jahren befindet sich die Fed wieder in einem Konflikt zwischen dem Ziel der Preisstabilität einerseits und dem Vollbeschäftigungsziel andererseits. Die für die Rückführung der hohen Inflationsraten notwendigen geldpolitischen Maßnahmen werden aller Voraussicht nach die gesamtwirtschaftliche Aktivität nicht nur dämpfen, sondern eine Rezession auslösen, deren Folge eben auch steigende Arbeitslosenquoten wären.

Inflation hat tiefergehende Ursachen

Die drei Vorgänger des amtierenden Fed-Chefs Powell – Alan Greenspan, Ben Benanke und zuletzt Janet Yellen – agierten dagegen in einem Umfeld, in dem es zumindest scheinbar keinen Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und gesamtwirtschaftlich positiver Entwicklung gab: Was immer die Zentralbanken zur Stimulierung der Gesamtwirtschaft taten, und das war nicht wenig, wie allein eine Verzehnfachung der Notenbankbilanz der Fed seit 2008 beweist: Es schlug sich nicht unmittelbar in höheren Preisen auf den Güter- und Dienstleistungsmärkten nieder. Dass dafür im Gegenzug die Asset-Preise – vor allem die Aktienkurse – stark stiegen, war den Akteuren an den Finanzmärkten, und nicht zuletzt den vielen privaten Anlegern, gerade recht. Die Tatsache, dass mit der jahrelangen Aufblähung der Geldmenge der Grundstein für die aktuellen Inflationsprobleme gelegt wurde, erregte deshalb höchstens in akademischen Kreisen ein gewisses Missfallen. Erst als im Zuge der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden Lieferkettenstörungen echte Knappheiten an den Märkten auftraten, brach sich die hohe Liquidität auch an den Gütermärkten Bahn und führte zu steigenden Inflationsraten. Die seit Jahresbeginn infolge des Ukraine-Krieges drastisch gestiegenen Rohstoffpreise verstärkten diesen Effekt zusätzlich, sind aber für sich genommen keineswegs die Ursache der hohen Inflation.

Zielkonflikt bleibt bestehen

Nun also müssen die geldpolitisch Verantwortlichen wieder schwierige Entscheidungen treffen, weil steigende Zinsen zur Inflationsbekämpfung absehbar negative Folgen für die Gesamtwirtschaft haben. Im aktuellen Umfeld dürfte diese Entscheidung auch deshalb nicht allzu schwer fallen, weil anhaltend extrem hohe Inflationsraten langfristig auch der gesamtwirtschaftlichen Stabilität schaden. Der inhärente Zielkonflikt wird allerdings auf absehbare Zeit nicht verschwinden, wie jüngst sogar EZB-Chefin Lagarde einräumte. Dass die Notenbanken einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel vollziehen und künftig primär das Erreichen des Inflationsziels anstreben, ist allerdings nicht zu erwarten: Die Fed hatte erst vor knapp zwei Jahren angekündigt, höhere Inflationsraten zu tolerieren. Mit Blick auf die Finanzierung der hohen Staatsverschuldung erscheint es mindestens denkbar, dass die Notenbanken nicht an dauerhaft hohen Zinsen interessiert sind. Auch dies ist einer der Gründe, warum auch nach Beendigung der derzeitigen Ausnahmesituation mit dauerhaft höheren Inflationsraten gerechnet werden muss als in den zwanzig Jahren vor der Corona-Pandemie.

Über Axel D. Angermann

Axel D. Angermann analysiert als Chef-Volkswirt der FERI Gruppe die konjunkturellen und strukturellen Entwicklungen aller für die Asset Allocation wesentlichen Märkte. Diese Daten bilden die Grundlage für die strategische Ausrichtung der Vermögensanlagen der FERI. Angermann verantwortet seit 2008 die von FERI erstellten Analysen und Prognosen für die Gesamtwirtschaft sowie einzelne Branchen. 2002 trat er als Branchenanalyst in das Unternehmen ein. Seine berufliche Karriere begann beim Max-Planck-Institut für Ökonomie und beim Verband der chemischen Industrie. Angermann studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Bayreuth.

 

Verantwortlich für den Inhalt:

FERI AG, Haus am Park  Rathausplatz 8-10, 61348 Bad Homburg, Tel: +49 (0) 6172 916-0, Fax: +49 (0) 6172 916-9000, www.feri.de