China steuert Risiko einer Marktkorrektur mit restriktiverer Geldpolitik entgegen

Ein Minsky­Moment in China? Wenn es nach der chinesischen Regierung geht, wird dieser Fall nicht eintreten. Um krisenhafte Verwerfungen mit plötzlichen Wertverlusten zu verhindern, wie sie der Wirtschaftswissenschaftler Hyman P. Minsky beschrieben hat, wird China weiterhin eine restriktivere Geldpolitik verfolgen. Diese Vorgehensweise könnte neben Stabilität noch weitere Vorteile für China bringen. „Mit einem restriktiven Umfeld kann China nicht nur einen potenziellen Minsky­Moment vermeiden. Wir glauben auch, dass einige Bereiche der Wirtschaft weiterhin robust expandieren und den Aktienmarkt unterstützen werden“, sagt Michael Lai, Investment Director bei GAM.

Die zunehmende Sorge über einen potenziellen Minsky­Moment in China – ein durch Schulden­ oder Währungsdruck ausgelöster plötzlicher Einbruch von Wertpapierkursen nach einem langen Aufwärtstrend – führte die chinesische Regierung dazu, sich auf den Schuldenabbau im Finanzsektor zu konzentrieren. Lai zufolge wird China seine Geldpolitik weiterhin straffen, insbesondere nachdem das Land das Wachstumsziel für dieses Jahr erreicht hat. Dies ließe auch der Beschluss des 19. Parteikongress in diesem Jahr vermuten, sich von quantitativen geldpolitschen Zielen abzuwenden, um sich auf langfristige Ziele zu konzentrieren.

US­Geldpolitik sorgt für Entspannung

Die US­Notenbank Fed werde unterdessen wahrscheinlich auch unter dem neuen Vorsitzenden Jerome Powell ihre moderate Geldpolitik fortführen und trotz des überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums der USA von aggressiven Leitzinserhöhungen absehen. Die Fed hat am 13. Dezember die Leitzinsen auf 1,25 bis 1,50 Prozent erhöht. Drei weitere Anhebungen sollen im Jahr 2018 folgen. „Sofern dies in Schritten von jeweils 25 Basispunkten erfolgt, werden die US­ Zinsen im nächsten Jahr 2,25 Prozent erreichen, was immer noch als moderat anzusehen ist“, sagt Lai.

Dieses moderate Umfeld könnte sich als positiv für China herausstellen: „Es übt weniger Druck auf die Schwellenländer und damit auch auf China aus, da es wohl kaum zu einer Aufwertung des US­Dollars führen wird. Darüber hinaus ist China mit seinem geschlossenen Kapitalsektor ein Sonderfall: Die Kapitalströme können kontrolliert werden, während die Devisenreserven aufgrund der hohen Sparquote und des enormen Handelsbilanzüberschusses weiter wachsen“, so der Experte weiter.

Chancen und potenzielle Fallen

In einem Umfeld steigender Zinsen werden Lai zufolge anleihenähnliche Aktien wie Energie­ und Telekommunikationswerte voraussichtlich nicht besonders gut abschneiden. Der Versicherungssektor dürfte sich dagegen überdurchschnittlich gut entwickeln, da höhere Zinssätze in der Regel auch höhere Vermögensrenditen bedeuteten. „Solange die chinesischen Behörden die Geldpolitik nicht zu aggressiv straffen und der Wandel zu einer von Dienstleistungen und vom Konsum getragenen Wirtschaft gelingt, würden wir weiterhin Sektoren bevorzugen, die vom lebhaften Binnenkonsum in China profitieren“, sagt Lai.

Stabiler Renminbi stärkt Haushaltssektor

Nach dem Einbruch der chinesischen Börsen im Sommer 2015 herrschte die Sorge vor, dass China durch eine disruptive Abwertung des Renminbi noch größere deflationäre Schocks in anderen Ländern verursachen könnte. Dank der erfolgreichen angebotsseitigen Reformpolitik konnte sich der chinesische Erzeugerpreisindex jedoch deutlich von ­6 Prozent im Dezember 2015 auf derzeit 6,9 Prozent erholen. „China hat damit nicht nur den Deflationsdruck abschütteln können, sondern auch eine gewisse Inflation in den Rest der Welt exportiert“, so der Experte.

Lai erwartet daher, dass der Renminbi stabil bleibt oder von seinem aktuellen Niveau von 6,62 gegenüber dem US­Dollar leicht ansteigt. „Der Renminbi ist eine politische Währung und agiert in einem Umfeld mit geschlossener Kapitalbilanz. Für China ist es am besten, die Stärke der Währung zu erhalten, da dies dem Haushaltssektor zugutekommt und die erfolgreiche Umstrukturierung zu einer von Dienstleistungen und vom Konsum getragenen Wirtschaft erleichtert“, so Lai. Eine stärkere Währung verbessere die Reallöhne der Konsumenten, was wiederum die Ausgaben stimuliere. Das derzeitige restriktive geldpolitische Umfeld würde auch hohe Zinssätze mit sich bringen, was wiederum in höheren Renditen aus Einlagen resultiere und das verfügbare Einkommen weiter steigere.

„Infolgedessen erwarten wir nicht nur, dass China einen Minsky­Moment vermeiden kann. Wir glauben auch, dass einige Bereiche der Wirtschaft weiterhin robust expandieren und den Aktienmarkt allgemein unterstützen werden. Ein aktiver Ansatz bei der Aktienauswahl in einem Umfeld, das wahrscheinlich von klaren Gewinnern und Verlierern geprägt sein wird, kann dabei eine erhebliche Wertsteigerung bewirken“, schließt Lai.

Verantwortlich für den Inhalt:

GAM Anlagefonds AG, Klausstr. 10, CH­8034 Zürich Tel.: +41 (0) 58 426 30 30, Fax: +41 (0) 58 426 30 75 www.gam.com

Fidelity Marktkommentar

Kasia Kiladis, Investmentspezialistin für US­Aktien bei Fidelity International, erläutert, was die Steuerreform für amerikanische Aktien bedeutet:

­ US­Momentum­Aktien auf Schlingerkurs Unternehmen mit Fokus auf US­Binnenmarkt profitieren überproportional von Steuerreform ­ Straffere US­Geldpolitik signalisiert Reflation

Die Anlagestile Momentum und Value stehen häufig in Konkurrenz zueinander. Während sich nach der Finanzkrise beide Stile weitgehend im Gleichschritt mit dem Index bewegten, beschleunigte sich Ende 2014 mit dem Kapitalzufluss in den Technologiesektor der Trend bei Momentum­Titeln, während Value­Aktien zurückblieben. Die Kurskorrektur 2016 bei Value­Aktien – beflügelt von Trumps Wahlsieg – war nur von kurzer Dauer. Schon Anfang 2017 knüpften Momentum­ Aktien wieder an ihre Outperformance an, während Value­Titel nicht Schritt hielten. Die Kombination aus Wirtschaftswachstum, Steuerreform und geldpolitischer Straffung könnte jedoch der Beginn eines Stimmungsumschwungs sein. Noch lässt sich jedoch nicht eindeutig sagen, ob in den USA die Verschiebung von Momentum­ hin zu Value­Aktien von Dauer ist.

Potenzielle Treiber für Value­Aktien: 1. US­Steuerreform

Trumps Steuerreform, die eine Senkung der Unternehmenssteuer von 35 auf 21 Prozent vorsieht, könnte Investitionen und Gewinnen kräftigen Auftrieb geben. Von den Steuersenkungen werden US­Unternehmen mit einem höheren effektiven Steuersatz überproportional profitieren. Bei ihnen handelt es sich meist um stärker auf den heimischen Markt fokussierte Akteure, während globale Konzerne aufgrund ihrer internationalen Aktivitäten mehr Gestaltungsspielraum in Steuerangelegenheiten haben. Diese weltweit tätigen Firmen finden sich verstärkt in den Branchen Technologie und Gesundheit, in denen Momentum­ und Wachstumsaktien dominieren. Die größten Steuereinsparungen winken den auf den Binnenmarkt ausgerichteten Unternehmen, deren Aktien allgemein zu den niedriger bewerten Value­Titeln gehören.

2. Weltwirtschaft auf Wachstumskurs

Ein stabiles Wachstum rund um den Globus und positive Gewinnaussichten sind gute Voraussetzungen auch für den Value­Anlagestil: In den USA markierte das Verbrauchervertrauen unlängst den höchsten Stand seit 17 Jahren, in der Eurozone beschleunigte sich das BIP­Wachstum das vierte Quartal in Folge, und in Japan wurden die Gewinne im letzten Monat 1,7 Mal häufiger nach oben als nach unten korrigiert. Besonders günstig bewertete Unternehmen dürften am meisten von der guten Konjunktur, dem starken Verbrauchervertrauen und den positiven Gewinnkorrekturen profitieren.

Im letzten Jahr sind weltweit die Bewertungen in sämtlichen Branchen gestiegen. Auffällig ist jedoch, dass bei einigen das Anlegerinteresse sehr deutlich zurückging. Die Energie­ und die Telekommunikationsbranche sind beispielsweise im Vergleich zu IT und Gesundheit inzwischen – relativ gesehen – günstiger als vor einem Jahr. Die Differenz zwischen dem zyklisch bereinigten KGV (CAPE) der teuersten bzw. günstigsten Branchen liegt momentan bei 28 statt 19 wie vor einem Jahr. Auch wenn global alle Branchen höher bewertet sind, gibt es relativ gesehen, noch immer Branchen, die ein Investment fundamental rechtfertigen.

3. Straffere Geldpolitik signalisiert Reflation

Eine Straffung der Geldpolitik signalisiert Reflation. Und die könnte sich langsam zu einem globalen Trend entwickeln. In den USA ist die Zinsstraffung in vollem Gange: Allein 2017 hat die US­Notenbank Fed die Zinszügel dreimal angezogen. Darüber hinaus hat sie die Wiederanlage von Geldern aus fälligen Anleihen seit Oktober 2017 um 50 Milliarden US­ Dollar pro Monat verringert.

Reflation verheißt Gutes für Aktien, profitieren sie doch von Erwartungen auf langfristig steigende Gewinne. Im Zusammenspiel mit den niedrigen Bewertungen im Value­Sektor könnte das erheblichen Spielraum für ein Comeback von Value­Aktien andeuten. Solche Werte mit hoher operativer und finanzieller Verschuldung könnten kräftig zulegen, die Kurse von Unternehmen mit hohen Bewertungen jedoch zurückfallen.

Verantwortlich für den Inhalt:

Fidelity Investment Services GmbH, Kastanienhöhe 1, D­61476 Kronberg im Taunus Tel.: 06173/509­0, Fax: 06173/509­41 99
www.fidelity.de