Die von US-Präsident Trump verhängten Zölle werden zu Gegenreaktionen weltweit führen.

„Gerade China könnte sich dabei für eine Abwehr durch Abwertung entscheiden und seine Währung verbilligen“, sagt Benjamin Bente, Geschäftsführer der Vates Invest GmbH. „Für Europa mit seiner starken Exportabhängigkeit wäre dies der unangenehmste Fall, der Kontinent käme von zwei Seiten unter Druck.“

Die Trump-Zölle kamen höher und breiter als vom Markt erwartet. „Es wird jetzt klar, dass Trump die Zölle nicht wie in seiner ersten Amtszeit einsetzt, um ein Pfand für Verhandlungen aufzubauen“, so Bente. „Statt kurzfristiger Ankündigungen in homöopathischen Dosen kann sich die Welt auf länger angelegte neue Regeln des Welthandels einstellen.“ Es geht nicht mehr nur darum, mit Zöllen schnelle Zugeständnisse in sachfremden Bereichen zu erzielen. „Trump nutzt die Zölle, um eine grundlegend andere Form der Handelsbeziehungen zu etablieren“, so Bente.

Und auch wenn die langfristigen Folgen von der US-Regierung vielleicht nicht vollständig eingerechnet wurden: „Sie scheint bereit zu sein, für das übergeordnete Ziel von mehr Produktion in den USA auch vorübergehende wirtschaftliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen“, sagt Bente. „Das unterscheidet das jetzige Vorgehen von dem seiner ersten Amtszeit – und das ist zumindest im Aktienmarkt noch nicht angekommen.“

So war die jüngste Gegenbewegung im S&P 500 viel zu schwach und wurde viel zu schnell von neuem Optimismus abgelöst. „Anders verhält sich das bei Liquiditätsindikatoren wie der Marktselektivität“, sagt Bente. „Hier war bereits seit Längerem ablesbar, dass größeres Ungemach droht.“ Im defensiv ausgerichteten Parade-Fonds wurde die Aktienquote bereits vor der jüngsten Abwärtswelle auf 0% reduziert. Erste Indikatoren belegen, dass auch die konjunkturellen Risiken, die von dieser Zollpolitik ausgehen, steigen. „Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im Jahr 2025 nimmt derzeit weiter zu“, so Bente.

Doch solche Verwerfungen bieten immer auch Chancen. „Ironischerweise vielleicht vor allem dort, wo das Zolldrama seinen Ausgang hat – in den USA“, so Bente. „Oft wird kommentiert, dass die Zölle vor allem den USA schaden und dass jetzt ein Blick nach Europa lohnend sei.“ Doch die Idee, auf Europa auszuweichen, könnte sich als mittelfristig falsch und gefährlicher Trugschluss erweisen. Denn natürlich wird die Welt mit Gegenmaßnahmen reagieren. Viele werden Gegenzölle verhängen oder mit gezielten Nadelstichen versuchen, die USA zu ärgern. Für Europa eröffneten sich dann, so die Idee, viele neue Märkte und die USA würden isoliert.

„Doch dieses positive Szenario zeigt, dass sich die Europäer zu wichtig nehmen“, sagt Bente. „Der eigentliche Handelskonflikt besteht zwischen den USA und China – und zwischen diesen beiden Polen könnten die Europäer zerrieben werden.“ Hier kommt es auf die Reaktion Chinas an. Die simple Reaktion wären Gegenzölle. „Doch es ist absehbar, dass China einen smarteren Weg gehen könnte und seine Währung abwertet“, sagt Bente. „Das wäre eine weniger eskalative Vorgehensweise gegenüber Trump und deshalb auch eine zu bevorzugende aus chinesischer Sicht.“

Das Problem wäre, dass diese Abwertung nicht nur den Verursacher träfe, sondern auch Europa. Statt einen großen Markt wie China stärker zu gewinnen, droht hier ein weiteres Problem. „Die Abwertung der chinesischen Währung setzt die exportstarken Europäer noch einmal unter Druck“, so Bente. „Allen voran Deutschland, bei dem die Einnahmen aus den Exporten nach China sinken und das wegen der Zölle weniger in die USA liefert.“ So könnte die europäische Volkswirtschaft überproportional unter etwas leiden, was sie nicht zu verantworten hat.

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