Kapitalmarkt wirkt sich 2024 positiv auf die Pensionsvermögen aus. Rechnungszins steigt und bringt leichten Rückgang der Pensionsverpflichtungen.
Hoher Ausfinanzierungsgrad gibt Unternehmen mehr Spielraum für Pension-Buyout-Lösungen. Steigende Volatilität in 2025 erfordert robustes Pensionsmanagement der Unternehmen.
Der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Pensionswerke erreicht 2024 mit 82% den Höchstwert innerhalb der letzten zehn Jahre. Die positiven Entwicklungen des Kapitalmarktes im Geschäftsjahr 2024 sorgten für einen Anstieg der Planvermögen der DAX-Unternehmen (262 Mrd. EUR, +1,6%). Der Rechnungszins konnte insbesondere im ersten Halbjahr zulegen und lag insgesamt elf Basispunkte über dem Vorjahr. Dies führte zu einem leichten Rückgang der Pensionsverpflichtungen (320 Mrd. Euro, -1,8%). In Summe konnte der Ausfinanzierungsgrad somit auf hohem Niveau um weitere drei Prozent zulegen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „DAX-Pensionswerke 2024” der Unternehmensberatung WTW. Für das Jahr 2025 erwarten die Experten schnell verändernde ökonomische Rahmenbedingungen. Politische Entscheidungen werden Rechnungszins und Kapitalmarkt beeinflussen und ein robustes Pensionsmanagement der Unternehmen fordern.
Die Studie „DAX-Pensionswerke 2024“ von WTW basiert auf 31 ausgewerteten Geschäftsberichten der 40 DAX Unternehmen. Sie bietet einen Überblick über die Entwicklung des letzten Jahres und gibt gleichzeitig einen Ausblick für 2025. Hanne Borst, Leiterin Retirement Deutschland bei WTW, über die neuen Ergebnisse: „Der Kapitalmarkt verzeichnete im Jahr 2024 eine positive Wertentwicklung. Insbesondere die Aktienmärkte erzielten angesichts einer robusten US-Wirtschaft hohe Renditen. In 2025 erwarten wir eine höhere Volatilität von Rechnungszins und Kapitalmarkt. Grund zur Sorge besteht in unseren Augen aber nicht: Die DAX-Unternehmen kümmern sich aktiv um das Management ihrer Pensionsverpflichtungen und können so auch auf aktuelle Entwicklungen reagieren.“
„Die Pensionswerke der größten deutschen Unternehmen sind gut aufgestellt. Für eine zukunftsfeste Aufstellung sind Agilität und Veränderungsbereitschaft wichtige Eigenschaften. Angesichts des hohen Ausfinanzierungsgrads gewinnen Pension Buy-out Lösungen dabei immer mehr an Bedeutung. Neben den bekannten Möglichkeiten des De-Riskings, wie CTA und Pensionsfonds sind Pension Buy-outs eine weitere attraktive Möglichkeit für Unternehmen, sich agil und zukunftsfest aufzustellen“, ergänzt Dr. Johannes Heiniz, Leiter General Consulting bei WTW.
Steigende Pensionsvermögen und sinkende Pensionsverpflichtungen sorgen für Ausfinanzierungsgrad auf Höchstwert
Der Ausfinanzierungsgrad konnte 2024 um weitere drei Prozent zulegen und erreicht einen neuen Höchststand von 82%. Dies begründet sich vor allem in einer positiven Entwicklung der Kapitalmärkte (+6,4%), die sich zwar nach wie vor als volatil aber deutlich robuster als in 2023 erwiesen. Die Inflationsraten sind gesunken, das Wirtschaftswachstum in den USA erwies sich als stabil und es kam zu ersten Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank FED sowie der europäischen Zentralbank EZB seit Beginn der Corona-Pandemie 2020. Die Pensionsvermögen konnten in Summe entsprechend Zugewinne verzeichnen. Die geänderte Indexzusammensetzung führte zu einer Reduktion der Pensionsvermögen um 1,2%. Insgesamt sind die Pensionsvermögen um 1,6% angestiegen.
„Zu Beginn des ersten Quartals 2024 wurden die übermäßigen Erwartungen der Marktteilnehmer an Leitzinssenkungen der EZB revidiert und es kam zu einem spürbaren Anstieg des Rechnungszins. Der weitere Rückgang der Inflation in der Eurozone und den USA prägten anschließend die zweite Jahreshälfte 2024. Die tatsächlichen von EZB und FED vorgenommenen Leitzinssenkungen waren von den Marktteilnehmern schon überwiegend eingepreist worden“, so Hanne Borst. Im Ergebnis lag der Rechnungszins zum 31.12. elf Basispunkte über dem Vorjahr. Dies führte zu einem Rückgang der Pensionsverpflichtungen auf 320 Mrd. EUR. Zudem verringerte die Reduktion der langfristigen Rententrendannahme die Pensionsverpflichtungen in geringem Ausmaß. Zu einer moderaten Reduktion (0,9%) führte auch die geänderte Indexzusammensetzung.
Mit einer Dotierung von 5,3 Mrd. Euro investieren Unternehmen trotz des nach wie vor herausfordernden wirtschaftlichen Umfeldes in die bAV wieder etwas mehr als im Jahr zuvor (4,9 Mrd. Euro in 2023). Pensionsverpflichtungen, denen kein spezifisches Pensionsvermögen gegenübersteht, sind in den Unternehmen durch andere Vermögenswerte bedeckt. Ökonomisch sind die Pensionsverpflichtungen daher mit einem Gesamtausfinanzierungsgrad von 100 Prozent immer voll ausfinanziert.
2025 bringt hohe Volatilität und erfordert robustes Pensionsmanagement in herausfordernden Zeiten
Die Pensionswerke unterliegen einem komplexen Zusammenspiel aus Inflation, Rechnungszins und der Entwicklung des Kapitalmarktes. Wie sehr politische Entscheidungen Rechnungszins und Kapitalmarkt bestimmen, zeigte sich in der ersten Märzhälfte 2025: Die Ankündigung einer Reform der deutschen Schuldenbremse in Form eines „Sondervermögens“ über 900 Mrd. EUR führte zu einem Anstieg der Renditen langlaufender Anleihen und damit des Rechnungszinses von mehr als 40 Basispunkten. „Der Rechnungszins ist der Parameter mit dem größten Einfluss auf die Pensionsverpflichtungen. Eine marktbedingte Veränderung des Rechnungszinses um einen Prozentpunkt führt zu einer Veränderung der Pensionsverpflichtungen um ca. 10%. Die Zustimmung zur Grundgesetzänderung ist erfolgt. Der Markt hatte diese Entwicklung schon vorweggenommen und es sind kurzfristig keine weiteren Auswirkungen auf den Rechnungszins zu erwarten.“, sagt Hanne Borst.
Auch die US-Politik wird sich 2025 auf die Kapitalmarktentwicklung auswirken. „Während Aktienmärkte und Anleihenmärkte stabil ins Jahr 2025 starteten, zeigen sich die Kapitalmärkte seit der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten volatil. Zudem machen sich in den USA Rezessionsängste breit, da die derzeitige US-Politik Investoren verunsichert“, sagt Hanne Borst. Internationale Zollstreitigkeiten, Militär- und Konjunkturpakete in historischem Umfang sowie die weiterhin ungelösten diversen geopolitischen Krisen, allen voran der Ukraine-Krieg, werden die Volatilität in den Kapitalmärkten auch im weiteren Verlauf des Jahres auf erhöhtem Niveau halten und Auswirkungen auf Inflation und Zinsniveau haben.
Bisher ist die Inflation in der Eurozone in 2025 wie in 2024 deutlich geringer als in 2023. Die Erwartungen der Märkte an weitere Senkungen der Leitzinsen durch FED und EZB wurden jedoch zurückgeschraubt, da davon ausgegangen wird, dass sich diverse politischen Entscheidungen, wie z. B. die von der US-Regierung angekündigten Strafzölle inflationserhöhend auswirken werden. „Die Pensionswerke der DAX-Unternehmen zeigen sich gut aufgestellt, um herausfordernden und sich schnell verändernden ökonomischen Rahmenbedingungen durch risikooptimiertes Design und diversifizierte Kapitalanlagestrategien zu begegnen“, sagt Johannes Heiniz.
Trends in der bAV: Pensionswerke zwischen Transformation, Demografie und Wachstum
Viele Branchen und Unternehmen befinden sich in fundamentalen Transformationsprozessen. Um sich stärker auf ihr Kerngeschäft fokussieren zu können, gewinnen Pension Buy-out Lösungen immer mehr an Bedeutung. Im Gegensatz zu bekannten Möglichkeiten des De-Riskings wie Plangestaltung, Outsourcing, CTA und Pensionsfonds bieten Pension Buy-outs die Möglichkeit zur vollständigen Enthaftung. „Der hohe Ausfinanzierungsgrad gibt Pension Buy-out Lösungen zusätzlichen Rückenwind. Die zur Seite gelegten Finanzmittel können Unternehmen nur für die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen nutzen. Dementsprechend ist momentan ein guter Zeitpunkt, um Planungen in diese Richtung anzustoßen“, sagt Johannes Heiniz.
Auch die KI gewinnt in der bAV an Bedeutung. Unternehmen sehen hier eine Chance, ihre bAV-Services zu verbessern und Fachexperten bei Standardaufgaben zu entlasten. Angesichts des demografischen Wandels ist es wichtig für Unternehmen, ihre bAV zukunftssicher aufzustellen. Denn attraktive Pensionspläne sind weiterhin ein wichtiges Instrument zur Bindung und Gewinnung von Mitarbeitenden. Nach Studien von WTW ist die bAV für 51% der Befragten wichtiger als je zuvor. Für Mitarbeitende ist es wichtig, dass die bAV renditestark, transparent und flexibel ist. Deshalb sind aktuelle Pensionspläne in der Regel kapitalmarktorientiert. ESG-Kriterien gewinnen dabei weiter an Bedeutung.
Hintergrundinformationen zur Studie
Die Studie „DAX-Pensionswerke 2024“ basiert auf den Geschäftsberichten der 40 DAX-Unternehmen, einschließlich der Anhangangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Per 20. März 2025 hatten 31 Indexmitglieder ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2024 vorgelegt. Bei neun Unternehmen, deren aktuelle Daten noch nicht veröffentlicht sind, hat WTW die Vorjahreswerte berücksichtigt und damit Hochrechnungen durchgeführt. Die aktuellen Zahlen zum DAX 40 beziehen sich auf den Stand des Index zum 31.12.2024. Die dargestellten Vorjahreszahlen stellen die tatsächlichen Ist-Werte des DAX 40 zum 31.12.2023 dar. Die der Auswertung zugrunde liegende WTW-Datenbank ermöglicht Vergleiche bis ins Jahr 1999.
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